Bine wurde vor unbekannter
Zeit auf Gran Canaria geboren.
Die Canarios sind von Katzen überhaupt nicht
begeistert und somit werden unsere Bemühungen,
Bine an uns zu gewöhnen und ihr Leckerlis anzubieten,
mit verständnislosen Blicken beobachtet.
Unser Samtpfötchen hingegen denkt sich, diese
österreichischen „Dosenöffner“
sind ganz praktisch und adoptiert uns 
Zu Beginn gibt es Verständigungsschwierigkeiten,
denn unser Kätzchen spricht kanarisch, wir
hingegen deutsch. Mit der Zeit lernen wir, sie zu
verstehen und umgekehrt - sie versteht uns.
Wir haben mit Bine bereits sehr viel erlebt, haben
auch schon um ihr Leben gezittert, aber ihre Genesung
hat uns mehr, als wir uns jemals vorstellen konnten,
zusammen geschweißt.
Aus der früher wilden, sehr scheuen und ängstlichen
Katze wird Bine das, was sie heute ist: Ein richtiges
Schmusekätzchen, das zu uns gehört und
an unserem Leben teilnimmt, genau so, wie wir an
ihrem Katzenleben teilnehmen dürfen.
Sie ist uns richtig ans Herz gewachsen und wir
möchten sie nicht mehr missen.
Bine hat eine besondere Ader für pflegebedürftige
Kätzchen. Unter anderem bringt sie uns einen
völlig verwahrlosten, kranken, jungen Kater.
Da er ein rötliches Fell mit weißen Einlagen
hat, nennen wir ihn "Rusty".
Rusty erholt sich bei uns sehr gut und eigentlich
möchte ihn Bine wieder los werden - schließlich
ist sie hier die Frau im Haus - äh, im Garten
Aber Rusty will nicht. Bevorzugt liegt er auf meinem
Schoß und saugt an seiner Vorderpfote, wie
ein kleines Kind, das am Daumen lutscht. Auch mit
geschätzten 9 Monaten macht er das noch.
Dann - eines morgens, ich öffne gerade von
außen die Jalousien - ruft der Nachbar, unser
Kater liege tot auf der Straße
Wie bitte? Rusty? Ich öffne das Tor und der
Nachbar drückt mir den toten Rusty in die Hand

Das arme Kerlchen wurde von einem Auto angefahren
Hoffentlich musste er nicht allzu lange leiden...
Bine hatte sich in der Zwischenzeit doch mit der
Anwesenheit von Rusty abgefunden, sodass sie sich
nun alleine fühlte. Tagelang suchte sie nach
ihm.
Es vergingen ein paar Monate, brachte Bine wieder
einen völlig abgemagerten, verletzten und fiebrigen
jungen Kater zu uns. Mit flehenden Augen sah sie
uns an, so nach dem Motto "helft ihm bitte".
Diesen süßen, ebenfalls - wie Bine -
schwarz-weißen Kater, den wir "Zorro"
nannten, wollten wir natürlich retten, doch
diesmal fühlten wir uns überfordert, seine
Wunden erschienen uns zu schwer. Wir packten ihn
in die Stoff-Katzentasche und fuhren mit ihm in
die Tierklinik nach Vecindario. Der Tierarzt meinte,
das bekomme er schon wieder hin, aber es wäre
besser, wir würden Zorro für eine Woche
in der Klinik lassen. Wir stimmten zu und baten
auch gleich um Kastration.
Eine Woche später holten wir Zorro wieder
ab, seine Wunden waren großteils verheilt
(er hat viele Spritzen bekommen), aber er war immer
noch zaundürr.
Wir päppelten ihn auf und Zorro entwickelte
sich prächtig. Jetzt, im Winter 2009/2010,
ist er der "König des Hauses", auch
wenn er weiterhin im Garten oder im Katzenhaus lebt,
das Michi gebastelt hat. Er ist ein richtiger Schmusekater
geworden.
Bine akzeptierte Zorro im großen und ganzen,
aber manchmal spürten wir, sie wäre doch
wieder lieber alleine. Es gefiel ihr zum Beispiel
gar nicht, dass auch Zorro Streicheleinheiten bekam,
obwohl Bine nie zu kurz kam.
Und dann passierte Schreckliches...
24. Dezember 2009: Wie jedes Jahr am 24. Dezember
so waren wir auch diesmal bei der Familie unseres
Vermieters eingeladen. Ehe wir uns auf den Weg machten,
bekamen Bine und Zorro ihr Fressen.
Spät abends kamen wir nach Hause. Zorro wartete
schon auf uns, von Bine keine Spur. Ich rief, ich
pfiff (ja, Bine hörte auch auf Pfiffe), Bine
kam nicht.
25. Dezember 2009: Von Bine keine Spur und das
sollte so bleiben.
Wo ist sie? Warum kommt sie nicht? Die Antwort
wusste ich genau, aber sie zu ertragen, war bitter.
Ich ahnte, dass es ein Auto gewesen sein muss.
Die Bestätigung bekamen wir Anfang Januar
2010, als wir zum Kaffee bei der Nachbarin eingeladen
waren. Sie erzählte, dass einer ihrer Bekannten
eine schwarz-weiße Katze mit rotem Halsband
(Bine!!!) "irgendwo weiter unten" am Straßenrand
liegen sah - tot, von einem Auto überfahren
Jetzt liefen mir endgültig die Tränen
hinunter     
Auf unseren Spaziergängen "nach weiter
unten" suchten wir nach Bine, aber wir fanden
sie nicht. Vielleicht war es auch besser so...
Dann kam der 6. Januar 2010, das ist für Canarios
DER Feiertag des Jahres! Am 24. Dezember bekommen
Jung und Alt nur kleine und wenig Geschenke, am
6. Januar ist dann das große Geschenkeverteilen.
Auch wir bekamen ein Geschenk: Andere Nachbarn,
die auch davon wussten, dass unsere Bine nicht mehr
lebt, schenkten uns zwei ihrer jungen Kätzchen,
gerade mal zwei Monate alt. Sie wogen fast nicht,
waren noch sooo klein! Glücklich nahmen wir
das Geschenk an und überlegten, wie wir sie
nennen könnten.
Da es zwei Weibchen sind, fiel die Wahl leicht:
Sara und Laura sollten sie heißen:
Sara = schwarz-weiß
Laura = braun-weiß
Doch schon bald darauf bekamen sie den Katzenschnupfen
Ja Himmel noch einmal, wir wollen nicht auch noch
diese Kätzchen verlieren! Wir fuhren - ohne
Kätzchen - zur Tierklinik nach Vecindario.
Ich schilderte meinen Verdacht, erklärte die
Symptome, der Arzt bestätigte meine Diagnose.
Er fragte, ob wir die Kätzchen nicht zu ihm
bringen möchten. Hmmm, eigentlich nicht so
gerne, gibt es denn keine andere Lösung? Doch,
wenn ich mich bereit erkläre, beiden Kätzchen
an fünf aufeinander folgenden Tagen je 2 Ampullen
zu spritzen, ihnen 4x täglich die Augen reinige
sowie 2x täglich Augentropfen gebe, geht das.
Ohne zu überlegen, sagte ich zu. Der Arzt packte
für fünf Tage alles Nötige zusammen,
wir zahlten € 34,- und fuhren nach Hause.
Umgehend begann ich mit der Behandlung, kurze Zeit
darauf waren die Kätzchen gesund
Es vergeht nur kurze Zeit - ich sitze gerade auf
der Terrasse, Sara läuft gerade ein Stück
- kommt mir etwas seltsam vor. Was sah ich da soeben?
Das gibt's doch gar nicht! Sara ist doch ein Weibchen,
aber das, was ich sah, sah alles andere als weiblich
aus...
Ich schnappte mir Sara und dann stellten wir fest,
dass es nicht an meinen Augen liegt. Sara ist gar
nicht weiblich!! Na gut, es soll Schlimmeres geben,
aber wie taufen wir "ihn" jetzt? Uns fiel
kein passender Name ein und so wandelten wir einfach
Sara in "Saro" um - ganz spanisch eben
"a" für weiblich, "o" für
männlich 
Unsere anfänglichen Bedenken, was wohl Zorro
zu den beiden kleinen Kätzchen sagt, waren
völlig unbegründet. Er nahm sie an, als
wären es seine Kinder. Doch dem nicht genug,
er verhält sich nicht wie ein Katzenvater,
sondern er ist für sie die Mutter!
Er putzt sie, er fängt ihnen Mäuse und
Eidechsen, er lernt ihnen, auf Bäume hinauf
und wieder hinunter zu klettern - sagenhaft! Würden
wir es nicht täglich sehen, wir könnten
es nicht glauben.
Zorro legt sich mit den beiden in ein Körbchen,
obwohl es drei davon gibt - für jedes eines.
Aber nein, sie wollen beisammen sein 
Hoffentlich halten sich die Auto von unseren Katzen
fern.
Manch einer wird sich fragen, warum wir sie nicht
sicherheitshalber ins Haus holen, dann wäre
die Gefahr mit den Autos nicht mehr. Das ist schon
richtig, aber wir möchten ihnen die Freiheit
nicht nehmen, es sind eigentlich wilde Katzen. Sie
genießen es, im Garten herum zu flitzen, sich
hier und dort zu verstecken, auf die Weinlaube zu
klettern oder uns auf der Dachterrasse zu besuchen.
All das würden wir ihnen nehmen, würden
wir sie ins Haus einsperren. Das bringen wir nicht
übers Herz.
Wie wir es handhaben, wenn wir auf Urlaub sind?
Das ist glücklicherweise ganz einfach: Der
Sohn unseres Vermieters wohnt mit seine Frau schräg
gegenüber von uns. Die beiden und auch jene
Nachbarn, von denen wir die Kätzchen bekamen,
kümmern sich um sie.
Um Zorro, Saro und Laura - unsere drei Lieblinge
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