Dienstag, 17. 9. 2002

Es ist 6.30 Uhr und ich wälze mich schon die längste Zeit von einer Seite auf die andere. Ich bin schon seit kurz nach 5 Uhr munter, denn es gibt den typischen „Darwin Regen“, es schüttet ½ Stunde wie aus Eimern, dem folgt eine kurze Regenpause, ehe es erneut losgeht.
Zwischendurch schlafe ich ein. Jetzt läutet der Wecker, am liebsten würde ich ihn… Nun, lassen wir das lieber Jaja, das kommt davon, wenn man so spät ins Bett geht.

Abfahrt von B. ist um 10 Uhr bei km-Stand 116.246.

Es ist allerhöchste Zeit, unseren treuen Begleiter vorzustellen - er hört auf den Namen "Bushie"

Na, was wird wohl auf unserem Programm stehen Nix da von wegen meine Reiseplanung nur halbwegs versuchen wollen einzuhalten Wir brauchen schließlich das Fliegennetz, Schraubzwingen und sonst noch ein paar Kleinigkeiten. Doch das alles hält uns elendslange auf und wir können erst um 13.30 Uhr die Fahrt Richtung Süden beginnen.

Am Plan steht eigentlich, zur Banyan-Farm zu Kerry und Wally zu fahren. Eigentlich…

Wir sind zunächst ganz gut unterwegs, auch die Richtung stimmt sogar
Die Abzweigung zu Berry Springs finden wir auf Anhieb, was aber dann folgt, ist schon der Härtetest sondergleichen und ich würde sagen, typisch Mann, dem die Gäule durchgehen.....

Michi fährt den 4WD-Track Richtung Berry Springs in einer Riesengeschwindigkeit. Hunderte Male ersuche ich ihn, er solle doch langsamer fahren, ich könne mich kaum noch im Bushie festhalten. Doch es hilft alles nichts, kein Bitten, kein Schimpfen, kein Nichts. Er fährt, als wäre er auf der Flucht. Wäre es eine normale Wellblechpiste, würde es mich nicht stören, aber die vielen, zum Teil auch tiefen Schlaglöcher, die sind es. Der Gipfel ist, als es urplötzlich einen sehr lauten dumpfen Knall gibt. Ich blicke nach rückwärts und muss zu meinem Schrecken feststellen, dass sich der Kühlschrank trotz Verriegelung geöffnet hat und der gesamte Inhalt im hinteren Teil des Bushies herumkugelt. Oh Mann, jetzt bin ich wirklich zornig Erstens, weil diese Höllenfahrt wahrlich kein Vergnügen ist und zweitens, weil ich natürlich, wie immer, den ganzen Kram alleine beseitigen bzw. einräumen darf Noch dazu habe ich für diese Raserei insofern kein Verständnis, da Michi am Montag, einige Zeit nach der Bushie-Übernahme meinte, der linke Vorderreifen habe ein Profil, das wohl nicht mehr tragbar sei.

Jetzt wissen wir, was auf uns wartet
Zuerst fahren wir zu den Wangi Falls.

Das Blyth Homestead und die Tolmer Falls streichen wir. Letztere kennen wir schon und wir wollen endlich auf den Reynolds River Track. Das erste Mal fahren wir glatt vorbei. Da könnte ich eine Story bezüglich Landkarte und Realität verfassen.

Wir können allerdings schon die ersten Termite Mounds bewundern, das sind Termitenbauten in verschiedener Form und Größe.

Die "magnetic" sind vollkommen flach und in Nord/Südrichtunggebaut. Scheint sie die Sonne um die Mittagszeit an, werden sie nur einen Strich als Schatten. Magnetic Mounds findet man nur hier im Norden Australiens.

Die anderen heißen "Kathedralen", sie wollen lieber im Trockenen stehen und sind rundlich gebaut. Das ist die Termitenbauform, die man am meisten in Australien sieht.

Wir biegen also in den Reynolds River Track ein, aber schon nach einem kurzen Stück ist vor uns ein Gewässer von unbekannter Tiefe. Länge und Breite sind abzuschätzen.

Wir sind allein hier, keine anderen Leute weit und breit. Michi meint, einfach durchfahren und fertig. Wegen der Dias von M. habe ich aber doch gewisse Bedenken, zumal es schon 17 Uhr ist und die Wahrscheinlichkeit, dass heute nochmal ein Auto verbeikommt, von uns relativ gering eingestuft wird. Also was bleibt mir anderes übrig, als mir einen Stecken zu suchen, auf den ich mich notfalls ein wenig stützen kann und ich mache mich auf den Weg, zu Fuß dieses Gewässer zu erkunden. Ich bin nun etwa zu Dreiviertel auf der anderen Seite, drehe aber um. Das Wasser geht mir bis gut Kniehöhe, ein klein wenig darüber. Ich platziere mich neben der Bushie-Tür und wir stellen gemeinsam fest, das ist zu hoch, da würde Wasser bei den Türen hereinkommen. Tja, schweren Herzens sehen wir ein, dass das heute ein hoffnungsloses Unternehmen sein würde und beratschlagen, was nun zu tun wäre.

Erstaunlicherweise wird mein Vorschlag, in Batchelor im Batchelor Resort zu übernachten, angenommen. Ich vermute, Michi hat ein schlechtes Gewissen
Wir bekommen in dem genannten Resort Zimmer Nr. 3, ein sehr großes Zimmer, 1 Doppelbett, 2 single beds, großer Tisch, Farb-TV (den wir allerdings mangels Zeit nicht nutzen, wozu auch, wir sind im Urlaub )

Als Erstes gehen wir ins dazugehörige Restaurant, wir bestellen Jacun Prowns (hot!), dazu gibt es etwas Ähnliches wie Bratkartoffeln und jede Menge Gemüse.

Nach dem Abendessen, es ist schon nach 22 Uhr, mache ich einen Vorschlag, von dem ich 100 %ig sicher bin, dass Michi ihn ablehnt – nämlich, endlich unseren Bushie “wohnfähig” zu gestalten. Bis jetzt hatten wir ja gar keine Zeit dazu. Und – Michi stimmt zu Also geht's los. Ohje, ohje, das ist wirklich fast Schwerarbeit, zumal wir noch keine Übung haben. Wir setzen zwar sehr viele Tipps von M&E in die Realität um, doch natürlich bleiben noch genug – für uns unklare – Punkte übrig.

Bis Mitternacht kramen wir im Bushie herum, dann sind wir, zumindest glauben wir das, zufrieden und ziehen uns in unser Motel-Zimmer zurück. Aber es ist noch nicht Ruhe und Schlafenszeit, nein-nein. Es gilt noch, die Fotos von der Digikamera auf den Image-Tank und anschließend auf das Notebook zu speichern, die Akkus wollen geladen werden und letztendlich soll ich auch wieder meinen Reisebericht (von gestern) schreiben. Ich bin im Verzug, das stört mich, lässt sich aber im Augenblick nicht vermeiden.
Soll ich ganz vorsichtig erwähnen, wann wir ins Bett gehen? Ok, ich mache es auf die Verantwortung anderer - es ist 1.30 Uhr, des nächsten Tages

Km-Stand am Ende des Tages: 116.489
Tages-Km: 243