Wir stehen um 7.30 Uhr auf, stellen aber dann
fest, dass wir anscheinend eine falsche Uhrzeit
haben. Überall steht nämlich die Zeit
um 1/2 Std. zurück. Seltsam.... Müssen
wir noch abklären.
Als Erstes gehen wir zum Frühstück,
das in dem Motel angeboten wird und wählen
das cooked breakfast. Es ist wirklich gut, Kaffee
gibt es dazu

Dann noch die restlichen Sachen in den Bushie
einräumen und um 10 Uhr fahren wir los.
Wir tanken bei der zur Motel zugehörigen
Tankstelle, weiter geht's. Wir wollen auf jeden
Fall, koste es, was es wolle, nochmals den Reynolds
River Track inspizieren. Den Weg dorthin kennen
wir ja schon, das wird also eine leichte Übung.
Achja, ich muss erwähnen, dass ich ab heute
hinter dem Steuer sitze 
Die Strecke von Batchelor bis zur Abzweigung
zur Reynolds River Rd. zieht sich ziemlich in
die Länge. Doch dann ist es soweit, eingebogen,
ein relativ kurzes Stück fahren – und
– oh Schreck – das Wasser ist immer
noch so hoch wie gestern
Ich gehe wiederum 3/4 der Strecke durchs Wasser,
man kann es drehen und wenden wie man will –
der Wasserstand ist wirklich praktisch gleich.
Mist
Wir hatten die Hoffnung, dass der Wasserspiegel
gesunken sei, denn es hat ja die ganze Nacht nicht
geregnet.
Plötzlich habe ich die Idee, einen Stein
genau am Rande des Wasserspiegels zu platzieren,
dann eine Zeit lang abzuwarten, um den Wasserstand
weiter zu beobachten. Meine Beobachtungen werden
unterbrochen, denn innerhalb kurzer Zeit kommt
ein anderer 4WD, allerdings kein Bushie, sondern
ein normales Auto.Das Pärchen sieht sich
kurz den Wasserstand an und dreht um. Kaum sind
sie weg, kommt ein Bushie – wir denken,
das sei unsere Chance, denn die sind sicher nicht
so feige wie wir und würden durchfahren.
Denkste
Fehlanzeige, nix da
Sehen den Wasserstand und – kehren um
Weg sind sie und wir stehen immer noch hier, relativ
ratlos noch dazu 
Beratung unsererseits folgt mit dem Ergebnis –
umkehren und die Parallelstraße (Unsinn,
nicht Straße, sondern Track natürlich)
in Richtung Labelle etc. zu fahren. Hier würden
wir ein wenig weiter westlich auf die Daly River
Rd. stoßen.
Nichts wie los, wir müssen zu den Wangi
Falls fahren, etwa 8 km danach kommt linkerhand
die Abzweigung „Labelle“, genau das
Richtige für uns.
Es ist 13.15 Uhr.
Unglaublich, wie viele LKWs auf dieser Strecke
unterwegs sind. Alle kommen sie, mit Erde beladen,
von einer Seitenstraße heraus. Ich bin mir
relativ sicher, dass diese „Seitenstraße“
genau die Abzweigung für uns sein müsste,
um auf die Parallelstraße zum Reynolds River
Track zu kommen. Stimmt aber nicht, dort gibt’s
dzt. nur eine Baustelle, Bagger fahren herum (auf
der Straße fährt der Bagger übrigens
rechts
Kommt mir also als Geisterfahrer entgegen
).
Also retour und geradeaus weiter gefahren.
| Es dauert nicht allzu lange, dann sehen
wir eine Gabelung. Links geht es zu „Wangi/Welltree/Keri“und
rechts nach „Labell“ (ohne „e“
hintendran). Das ist von der Hauptstraße
etwa 1,5 km entfernt (bei Tages-Km 76,0) |
 |
Kurz darauf kommen wir bei Tages-Km 76,7 zu
„Wangi“ – das Tor ist mit zwei
schwere Eisenschlösser geschlossen. Also
heißt es umdrehen.
Für mich ist eigentlich klar – zurückfahren
nach Batchelor und dann bei Adelaide River auf
den alten Stuart Hwy. und auf diesem Weg nach
Daly River.
Da mache ich wieder einmal die Rechnung ohne den
Wirt 
Vorschlag von Michi: Da wir ohnehin bei der Einmündung
zum Reynolds River Track vorbeifahren, könnten
wir auch dieses kleine Stück hinein fahren
und nachsehen, wie der Wasserstand nun auf Grund
meines gelegten Steines steht. Ich muss zugeben,
dass ich mir keine Hoffnung für eine Durchfahrt
der ersten Furt mache.
 |
Somit also retour und wir biegen in den
Reynolds River Track ab und schon rast ein
kleiner Toyota an uns vorbei, fährt mir
nix dir nix durchs Wasser und fertig  |
Wir stehen verblüfft hier und was meint
plötzlich Michi, als ich sage, das Risiko
sei einfach zu hoch (überhaupt, wenn kein
Auto auf uns wartet, das uns im Notfall hilft)
Sein Wortlaut „wenn wir schon in Australien
sind, gehört das dazu“. Ich denke,
ich höre nicht recht. Aber der Schreck für
mich kommt gleich: Er will, dass ich mit dem Camcorder
durch das Wasser wate, bis ans andere Ufer, dann
solle ich ihn filmen, wie er durchfährt.
Sehr witzig 
Aber gut, nachdem ich gestern schon einen Großteil
der Strecke zurückgelegt habe, ist es mir
heute auch egal. Zur Sicherheit nehme ich mir
wieder einen Stecken mit und lege vorher noch
meine GPS-Uhr ab. Man weiß ja nie.
Ich wate also durch und dann kommt Michi’s
Teil, nämlich durch das Wasser fahren. Ich
filme ihn dabei und muss gestehen, er bekommt
das wirklich gut hin (ich habe ein wenig Angst,
weil er ausschließlich Automatik fährt
und nun haben wir ein Schaltgetriebe).
Am anderen Ufer übernehme ich wieder das
Steuer und weiter geht's.

Reynold's
River Track |

Abzweigung
zum Blyth Homestead |
Beim Blyth Homestead biegen wir ab, um es ein
wenig zu besichtigen. Es wurde 1929 erbaut, ist
Zeuge schwerer Pioniertage und im Originalzustand.
| Wir fahren zu den Sandy Creek Falls (= Tjaynera
Falls), legen dort unsere Wanderschuhe an,
nehmen Wasser und Camcorder sowie Digikamera
und machen uns auf den Weg. Es ist eine wirklich
wunderschöne Wanderung. |
 |
 |
 |
 |
Am Ende (1/2 Std. Gehzeit bis dorthin) erwartet
uns ein großer Pool mit einem schönen
Wasserfall. |
Ich hoffe, jetzt lacht uns niemand aus, aber
gestern hatten wir bei KFC ein „Dinner for
two“ bestellt und das war eine typisch australische
Riesenmenge, die wir nicht aufessen konnten.
Wir haben den Rest eingepackt für „schlechte“
Zeiten
und bei den Sandy Creek Falls ist nun so eine
„schlechte“ Zeit (Unsinn natürlich,
wir haben nur Hunger, da es schon 16 Uhr ist und
wir seit dem Frühstück – Wasser
ausgenommen – nichts mehr im Magen haben).
An diesem idyllischen Plätzchen genießen
wir die Reste von gestern und haben riesigen Spaß,
denn ich habe mir schon vor Beginn der Wanderung
das Fliegennetz übers Gesicht gezogen. Ich
habe grundsätzlich nichts gegen Fliegen,
aber wenn auf mir – und besonders im Gesicht
– ungefähr 50 Fliegen hocken, wird
es mir einfach zu viel. Und so schiebe ich mir
kleine Stückchen von diesem KFC-Huhn unters
Netz in den Mund. Michi will vorerst gar nichts,
er ist zu eitel, um das Fliegennetz überzustülpen
und nun hat er den Salat. Ich füttere ihn
aber mit Hähnchenstücken, sodass er
auch halbwegs satt wird.
Ein Blick auf die Uhr zeigt jedoch, dass wir
endlich umkehren sollten und das tun wir auch.
Es hat trotz der „späten“ Uhrzeit
eine Gluthitze.
Zurück am Parkplatz schlüpfen wir wieder
in unsere Sandalen und weiter geht’s
Achja, so nebenbei möchte ich erwähnen,
dass wir ab jetzt den Reynolds River Track für
uns alleine haben, wir treffen – rückblickend
gesehen – keine Menschenseele.
 |
 |
| Allerdings gibt es noch zwei
Wasserfahrten. Der Track wird aber auch mit
keinem Bisschen besser, sondern eher schlechter.
|
| Übrigens: Beim Parkplatz der Sandy
Creek Falls steht geschrieben, bis zur Daly
River Rd. seien es 35 km (am Schild links
hinten zu lesen). Weiteres zu diesem Thema
später. |
 |
Der Track wird ein wenig besser, allerdings
kommen wir uns teilweise wie auf einer Hochschaubahn
vor.
Es ist schon ziemlich duster und wir sollten
schon auf der Daly River Rd. sein, als wir linkerhand
ein kleines Buschfeuer sehen, nichts Aufregendes,
aber trotzdem. Und weit und breit keine Daly River
Rd. Ich rechne gerade aus, bei welchem Tageskilometerstand
wir diese Rd. erreichen müssten, doch das
Ziel ist längst überschritten. Ab und
zu kommen uns Gedanken, ob wir vielleicht irgendeine
Abzweigung übersehen haben. Nur – welche
Auf meinen Plänen ist nichts eingezeichnet.
Also hilft nur eines – weiterfahren. Nach
43 km – und nicht nach 35 km
– erreichen wir die Daly River Rd. Es ist
bereits stockdunkel.
Ich mache Michi den Vorschlag, er solle doch
Kerry anrufen, damit sie sich keine Sorgen macht.
Das scheitert aber daran, dass das Handy nicht
geht, kein Empfang.
Also, was bleibt übrig
Richtig
Weiterfahren und aufpassen, dass wir die Abzweigung
zur Banyan
Farm nicht übersehen. Kein leichtes Unterfangen
in dieser Finsternis.
Es funktioniert jedoch, ich biege rechts in die
Woolianna Rd. ein, sie ist ab sofort eine unsealed
road. Schnell fahren wage ich wegen der Tiere,
insbesondere der Kängurus, nicht.
Nach nicht allzu langer Zeit erreichen wir die
linkerhand gelegene Abzweigung zur Banyan Farm.
Das Motorgeräusch treibt Kerry aus dem Haus,
besser gesagt, sie wartet wahrscheinlich schon
die ganze Zeit auf uns. Sie geht mit einer flashlight
vor uns, wir folgen ihr. Sie führt uns zu
unserer Unterkunft, sehr primitiv und einfach,
sleeping up to five, gehört aber uns alleine.
Die Beschreibung der Unterkunft ist etwas schwierig.
Ein paar Holzstufen führen zu diesem auf
Stelzen stehenden Etwas. Dieses Etwas ist eine
Bretterbude, ist aber nur an der Rückwand
verbrettert, die restlichen drei Seiten, inklusive
der nicht absperrbaren Tür, sind nur mit
schadhaften Moskitonetzen bespannt. Ein paar Camper
gibt es weiter drüben am Campground auch
noch.
Es ist schon 20 Uhr und der Strom wird um 22 Uhr
abgedreht, rasch gehen wir duschen
,
geschwitzt haben wir ja heute mehr als genug.
 |
Anschließend setze ich mich zum Laptop,
schreibe einen Teil vom Reisebericht. Oh Mann,
das ist gar nicht leicht, damit am Laufenden
zu bleiben. |
Um 0.30 Uhr flüchte ich zu Michi ins Bett
Die Nacht ist erfüllt von sämtlichen
Tiergeräuschen, die man sich nur vorstellen
kann. Mal mehr, mal weniger laut, aber jedenfalls
genug, dass ich anstatt Schlaf Unterricht in Tiersprache
erhalte. Das ist irgendwie auch mal interessant,
denn zu Hause gibt es so etwas nicht.
Km-Stand am Ende des Tages: 116.666
Tages-Km: 177