Mittwoch, 18. 9. 2002

Wir stehen um 7.30 Uhr auf, stellen aber dann fest, dass wir anscheinend eine falsche Uhrzeit haben. Überall steht nämlich die Zeit um 1/2 Std. zurück. Seltsam.... Müssen wir noch abklären.

Als Erstes gehen wir zum Frühstück, das in dem Motel angeboten wird und wählen das cooked breakfast. Es ist wirklich gut, Kaffee gibt es dazu
Dann noch die restlichen Sachen in den Bushie einräumen und um 10 Uhr fahren wir los.

Wir tanken bei der zur Motel zugehörigen Tankstelle, weiter geht's. Wir wollen auf jeden Fall, koste es, was es wolle, nochmals den Reynolds River Track inspizieren. Den Weg dorthin kennen wir ja schon, das wird also eine leichte Übung.

Achja, ich muss erwähnen, dass ich ab heute hinter dem Steuer sitze

Die Strecke von Batchelor bis zur Abzweigung zur Reynolds River Rd. zieht sich ziemlich in die Länge. Doch dann ist es soweit, eingebogen, ein relativ kurzes Stück fahren – und – oh Schreck – das Wasser ist immer noch so hoch wie gestern Ich gehe wiederum 3/4 der Strecke durchs Wasser, man kann es drehen und wenden wie man will – der Wasserstand ist wirklich praktisch gleich. Mist Wir hatten die Hoffnung, dass der Wasserspiegel gesunken sei, denn es hat ja die ganze Nacht nicht geregnet.

Plötzlich habe ich die Idee, einen Stein genau am Rande des Wasserspiegels zu platzieren, dann eine Zeit lang abzuwarten, um den Wasserstand weiter zu beobachten. Meine Beobachtungen werden unterbrochen, denn innerhalb kurzer Zeit kommt ein anderer 4WD, allerdings kein Bushie, sondern ein normales Auto.Das Pärchen sieht sich kurz den Wasserstand an und dreht um. Kaum sind sie weg, kommt ein Bushie – wir denken, das sei unsere Chance, denn die sind sicher nicht so feige wie wir und würden durchfahren. Denkste Fehlanzeige, nix da Sehen den Wasserstand und – kehren um Weg sind sie und wir stehen immer noch hier, relativ ratlos noch dazu
Beratung unsererseits folgt mit dem Ergebnis – umkehren und die Parallelstraße (Unsinn, nicht Straße, sondern Track natürlich) in Richtung Labelle etc. zu fahren. Hier würden wir ein wenig weiter westlich auf die Daly River Rd. stoßen.

Nichts wie los, wir müssen zu den Wangi Falls fahren, etwa 8 km danach kommt linkerhand die Abzweigung „Labelle“, genau das Richtige für uns.
Es ist 13.15 Uhr.

Unglaublich, wie viele LKWs auf dieser Strecke unterwegs sind. Alle kommen sie, mit Erde beladen, von einer Seitenstraße heraus. Ich bin mir relativ sicher, dass diese „Seitenstraße“ genau die Abzweigung für uns sein müsste, um auf die Parallelstraße zum Reynolds River Track zu kommen. Stimmt aber nicht, dort gibt’s dzt. nur eine Baustelle, Bagger fahren herum (auf der Straße fährt der Bagger übrigens rechts Kommt mir also als Geisterfahrer entgegen ). Also retour und geradeaus weiter gefahren.

Es dauert nicht allzu lange, dann sehen wir eine Gabelung. Links geht es zu „Wangi/Welltree/Keri“und rechts nach „Labell“ (ohne „e“ hintendran). Das ist von der Hauptstraße etwa 1,5 km entfernt (bei Tages-Km 76,0)

Kurz darauf kommen wir bei Tages-Km 76,7 zu „Wangi“ – das Tor ist mit zwei schwere Eisenschlösser geschlossen. Also heißt es umdrehen.

Für mich ist eigentlich klar – zurückfahren nach Batchelor und dann bei Adelaide River auf den alten Stuart Hwy. und auf diesem Weg nach Daly River.
Da mache ich wieder einmal die Rechnung ohne den Wirt

Vorschlag von Michi: Da wir ohnehin bei der Einmündung zum Reynolds River Track vorbeifahren, könnten wir auch dieses kleine Stück hinein fahren und nachsehen, wie der Wasserstand nun auf Grund meines gelegten Steines steht. Ich muss zugeben, dass ich mir keine Hoffnung für eine Durchfahrt der ersten Furt mache.

Somit also retour und wir biegen in den Reynolds River Track ab und schon rast ein kleiner Toyota an uns vorbei, fährt mir nix dir nix durchs Wasser und fertig

Wir stehen verblüfft hier und was meint plötzlich Michi, als ich sage, das Risiko sei einfach zu hoch (überhaupt, wenn kein Auto auf uns wartet, das uns im Notfall hilft) Sein Wortlaut „wenn wir schon in Australien sind, gehört das dazu“. Ich denke, ich höre nicht recht. Aber der Schreck für mich kommt gleich: Er will, dass ich mit dem Camcorder durch das Wasser wate, bis ans andere Ufer, dann solle ich ihn filmen, wie er durchfährt. Sehr witzig

Aber gut, nachdem ich gestern schon einen Großteil der Strecke zurückgelegt habe, ist es mir heute auch egal. Zur Sicherheit nehme ich mir wieder einen Stecken mit und lege vorher noch meine GPS-Uhr ab. Man weiß ja nie.

Ich wate also durch und dann kommt Michi’s Teil, nämlich durch das Wasser fahren. Ich filme ihn dabei und muss gestehen, er bekommt das wirklich gut hin (ich habe ein wenig Angst, weil er ausschließlich Automatik fährt und nun haben wir ein Schaltgetriebe).

Am anderen Ufer übernehme ich wieder das Steuer und weiter geht's.

Reynold's River Track

Abzweigung zum Blyth Homestead

Beim Blyth Homestead biegen wir ab, um es ein wenig zu besichtigen. Es wurde 1929 erbaut, ist Zeuge schwerer Pioniertage und im Originalzustand.

Wir fahren zu den Sandy Creek Falls (= Tjaynera Falls), legen dort unsere Wanderschuhe an, nehmen Wasser und Camcorder sowie Digikamera und machen uns auf den Weg. Es ist eine wirklich wunderschöne Wanderung.
Am Ende (1/2 Std. Gehzeit bis dorthin) erwartet uns ein großer Pool mit einem schönen Wasserfall.

Ich hoffe, jetzt lacht uns niemand aus, aber gestern hatten wir bei KFC ein „Dinner for two“ bestellt und das war eine typisch australische Riesenmenge, die wir nicht aufessen konnten.
Wir haben den Rest eingepackt für „schlechte“ Zeiten und bei den Sandy Creek Falls ist nun so eine „schlechte“ Zeit (Unsinn natürlich, wir haben nur Hunger, da es schon 16 Uhr ist und wir seit dem Frühstück – Wasser ausgenommen – nichts mehr im Magen haben). An diesem idyllischen Plätzchen genießen wir die Reste von gestern und haben riesigen Spaß, denn ich habe mir schon vor Beginn der Wanderung das Fliegennetz übers Gesicht gezogen. Ich habe grundsätzlich nichts gegen Fliegen, aber wenn auf mir – und besonders im Gesicht – ungefähr 50 Fliegen hocken, wird es mir einfach zu viel. Und so schiebe ich mir kleine Stückchen von diesem KFC-Huhn unters Netz in den Mund. Michi will vorerst gar nichts, er ist zu eitel, um das Fliegennetz überzustülpen und nun hat er den Salat. Ich füttere ihn aber mit Hähnchenstücken, sodass er auch halbwegs satt wird.

Ein Blick auf die Uhr zeigt jedoch, dass wir endlich umkehren sollten und das tun wir auch. Es hat trotz der „späten“ Uhrzeit eine Gluthitze.

Zurück am Parkplatz schlüpfen wir wieder in unsere Sandalen und weiter geht’s Achja, so nebenbei möchte ich erwähnen, dass wir ab jetzt den Reynolds River Track für uns alleine haben, wir treffen – rückblickend gesehen – keine Menschenseele.

Allerdings gibt es noch zwei Wasserfahrten. Der Track wird aber auch mit keinem Bisschen besser, sondern eher schlechter.
Übrigens: Beim Parkplatz der Sandy Creek Falls steht geschrieben, bis zur Daly River Rd. seien es 35 km (am Schild links hinten zu lesen). Weiteres zu diesem Thema später.

Der Track wird ein wenig besser, allerdings kommen wir uns teilweise wie auf einer Hochschaubahn vor.

Es ist schon ziemlich duster und wir sollten schon auf der Daly River Rd. sein, als wir linkerhand ein kleines Buschfeuer sehen, nichts Aufregendes, aber trotzdem. Und weit und breit keine Daly River Rd. Ich rechne gerade aus, bei welchem Tageskilometerstand wir diese Rd. erreichen müssten, doch das Ziel ist längst überschritten. Ab und zu kommen uns Gedanken, ob wir vielleicht irgendeine Abzweigung übersehen haben. Nur – welche Auf meinen Plänen ist nichts eingezeichnet. Also hilft nur eines – weiterfahren. Nach 43 km – und nicht nach 35 km – erreichen wir die Daly River Rd. Es ist bereits stockdunkel.

Ich mache Michi den Vorschlag, er solle doch Kerry anrufen, damit sie sich keine Sorgen macht. Das scheitert aber daran, dass das Handy nicht geht, kein Empfang.

Also, was bleibt übrig Richtig Weiterfahren und aufpassen, dass wir die Abzweigung zur Banyan Farm nicht übersehen. Kein leichtes Unterfangen in dieser Finsternis.
Es funktioniert jedoch, ich biege rechts in die Woolianna Rd. ein, sie ist ab sofort eine unsealed road. Schnell fahren wage ich wegen der Tiere, insbesondere der Kängurus, nicht.
Nach nicht allzu langer Zeit erreichen wir die linkerhand gelegene Abzweigung zur Banyan Farm.

Das Motorgeräusch treibt Kerry aus dem Haus, besser gesagt, sie wartet wahrscheinlich schon die ganze Zeit auf uns. Sie geht mit einer flashlight vor uns, wir folgen ihr. Sie führt uns zu unserer Unterkunft, sehr primitiv und einfach, sleeping up to five, gehört aber uns alleine. Die Beschreibung der Unterkunft ist etwas schwierig. Ein paar Holzstufen führen zu diesem auf Stelzen stehenden Etwas. Dieses Etwas ist eine Bretterbude, ist aber nur an der Rückwand verbrettert, die restlichen drei Seiten, inklusive der nicht absperrbaren Tür, sind nur mit schadhaften Moskitonetzen bespannt. Ein paar Camper gibt es weiter drüben am Campground auch noch.
Es ist schon 20 Uhr und der Strom wird um 22 Uhr abgedreht, rasch gehen wir duschen , geschwitzt haben wir ja heute mehr als genug.

Anschließend setze ich mich zum Laptop, schreibe einen Teil vom Reisebericht. Oh Mann, das ist gar nicht leicht, damit am Laufenden zu bleiben.

Um 0.30 Uhr flüchte ich zu Michi ins Bett

Die Nacht ist erfüllt von sämtlichen Tiergeräuschen, die man sich nur vorstellen kann. Mal mehr, mal weniger laut, aber jedenfalls genug, dass ich anstatt Schlaf Unterricht in Tiersprache erhalte. Das ist irgendwie auch mal interessant, denn zu Hause gibt es so etwas nicht.

Km-Stand am Ende des Tages: 116.666
Tages-Km: 177