Sonntag, 14. September 2003 :
Die planmäßige Ankunft in Melbourne ist für 5.50 Uhr Ortszeit vorgesehen. Mal sehen, was daraus wird, aber es sieht zumindest derzeit ganz gut aus.
Vorhin haben Michi und ich besprochen, dass wir uns eigentlich
soweit fit fühlen, um nicht direkt vom Airport Melbourne
nach Ballarat zu fahren, sondern wir werden die von mir
vorgesehene Scenic-Route nehmen. Ich bin schon gespannt,
welches Wetter uns in Melbourne erwartet. Regen könnte
mir gestohlen bleiben. Dass wir mit Kälte zu rechnen
haben, wissen wir, aber wir haben ja ohnehin unsere dicken
Wanderjacken inklusive der Innenjacke hier an Board, die
wir sofort nach Verlassen des Flugzeuges anziehen können.
Um ca. 24 Uhr Singapore-Zeit lege ich den Laptop und anschließend mich schlafen. Auch diesmal werde ich (und Michi ebenfalls) von den starken Turbulenzen geweckt.
Um 4 Uhr Singapore-Zeit werde ich endgültig munter und bin erstaunlich gut ausgeschlafen. Naja, ausgeschlafen ist vielleicht nicht der richtige Ausdruck, aber so richtig müde bin ich jedenfalls nicht. Michi wacht kurz nach mir auf und ihm geht es genauso. Beide lesen wir ein Buch und nach einiger Zeit wird das Frühstück serviert. Endlich mal etwas weniger, sodass man gar nicht in Versuchung gerät. Und auch von dem Wenigen esse ich kaum etwas, ich habe keinen Hunger.
Man wird es nicht glauben, aber um exakt 5.50 Uhr (also genau nach Plan ) stehen die Räder des Fliegers am Airport Melbourne still.
AUSTRALIEN HAT UNS
Wir steigen aus und begeben uns zur „declare zone“,
schließlich möchte ich mit meinem mitgenommenen
Backpulver kein Risiko eingehen. Artig, wie ich nun mal
bin, gebe ich an, dass ich 10 Stück baking powder
dabei habe, die Dame beim Zoll meint nur „that's ok“ und
somit ziehen wir zufrieden weiter – zum baggage claim.
Obwohl all unsere vier Reisetaschen mit uns angekommen
sind
Ich mache mich schon auf eine längere Stehzeit gefasst,
denn die Maschine war voll und jeder Fluggast hat so seine
Teile zum Einchecken gehabt. Aber nix ist mit gemütlich
anstellen
Knapp nacheinander trollen die vier Reisetaschen ein.
Daher geschnappt und – nein
Nicht zum Hertz-Schalter 
Zuerst wollen wir einen Kaffee. Gegen 7:45 Uhr pendeln
wir mit dem ganzen Gepäck zum Hertz-Schalter. Der
ist relativ einfach zu finden – aus dem Airport hinaus,
die Straße überqueren und dann sind die ganzen
car rentals eigentlich nicht mehr zu übersehen. Der
ganze bürokratische Vorgang dauert höchstens
10 Minuten und kurz darauf nehmen wir unseren Intermediate,
einen Toyota Camry, in Empfang. Die Farbe zu beschreiben,
ist ein Ding der Unmöglichkeit. Es ist eine Mischung
aus rosa, lila, beige und grau. Durch die breiten Reifen
fährt er sich leider ziemlich schwammig.
Abfahrt mit dem Hertz-Auto um 8:00 Uhr bei km 37.417
Wie geplant, fahren wir zuerst ein paar Kilometer am Tullamarine
Fwy., wechseln dann auf den Western Ring (M80) und fahren
diesen bis Albion. Von hier geht's westwärts am Western
Fwy. (M8) bis kurz vor Bacchus Marsh. Wir fahren die ziemlich
schmale Straße zum MacKenzies Flat Picnic Ground,
dieser liegt bereits im Lederderg State Park. Aber das
Wetter macht uns einen Strich durch die Rechnung – es
regnet, und das nicht zum ersten Mal am heutigen Tag.
Nebenbei ist es auch verdammt kalt, wir frieren, obwohl
wir einen Pullover und darüber unsere Wanderjacke
samt Innenjacke angelegt haben. So ein teufliches Wetter...
Muss das denn wirklich sein? 
Vom Parkplatz aus können wir zur Lederderg Gorge
wandern, aber bei diesem Wetter
Eine Familie, die ebenfalls mit ihrem Auto am Parkplatz
hält, macht sich tatsächlich bereit, diese Wanderung
zu unternehmen – bei strömendem Regen 
Nein, wir nicht, wir fahren zurück zur C704 und weiter nordöstlich nach Gisborne, von hier weiter zum Macedon Regionalpark. Diese Route ist eigentlich sehr schön und wir wollen auch den Hanging Rock ganz aus der Nähe besichtigen. Das scheitert jedoch. Zum Einen ist das Wetter, eine kurze Sonnenpause ausgenommen, unter jeder Kritik und zweitens wollen sie für die Besichtigung des Hanging Rock auch noch Eintritt – 8$ pro Auto bzw. 4$ pro Person. Bei schönem Wetter ist dagegen nichts einzuwenden, aber so Wir verweigern und fahren in Richtung Woodend weiter.
Gegen 12.30 h sind wir in Kyneton, einem ziemlich langweiligen
Nest. Da es eine kurze Regenpause gibt, gehen wir rasch
zu „Fish and Chips“ und fassen zwei Portionen aus. Oh
Gott, nicht schon wieder solche Riesenmengen
Eigentlich dachten wir, wir könnten diese Mahlzeit
im dortigen Laden verspeisen, doch weit gefehlt
Der gute Mann drückt Michi das Essen, in Papier gehüllt,
einfach in die Hand – fertig
So, was tun, es regnet wieder mal, also fällt mir
nur ein, im Auto zu essen. Das machen wir, wo sollen wir
auch sonst hin
Wie uns das Essen schmeckt
Naaajaaaa.....weiterer Kommentar überflüssig

In dem Augenblick, als ich den Wagen starten will, fällt
mir auf, dass sich vor und hinter uns am Randstein eine
kleine Menschenmenge angesammelt hat. Worauf warten sie
wohl
Ich denke an eine Bushaltestelle, aber wozu dann vor u
n d hinter uns ansammeln
Das Auto habe ich ordnungsgemäß geparkt, kann
also keinem Bus o. ä. im Wege stehen. Kurze Zeit
darauf gibt es des Rätsels Lösung, denn wir
hören Musik. Also, was tun
Ganz klar – man nehme den Camcorder und warte ab, was
da komme 
Und was kommt Eine ganze Parade Wir wissen nicht, wofür sie gut ist, können aber erkennen, dass offenbar der ganze Ort Kyneton zeigen will, was er alles bewerkstelligen kann. Neben den verschiedenen primary schools gibt es noch den Auftritt der Kindergarten-Kinder, dann der Jugendlichen, die Blasmusik ist präsent, die Feuerwehr und Rettung ebenso. Ich filme den ganzen Auftritt und mehr als ein Mal muss ich schmunzeln, denn wenn mich irgendein Teilnehmer sieht, bekommt er Basedow-artige Augen – entweder haben sie noch nie im Leben einen Camcorder gesehen (was ich bezweifle), oder es hat sonst noch niemand ihren Auftritt gefilmt – das vermute ich schon eher.
Als das Ganze vorbei ist, fahren wir weiter und zwar über die C316 nach Daylesford. Wir denken eigentlich, dass wir dort einen Kaffee bekommen könnten, aber nix da, Schnecke Keinen Kaffee gibt es Es regnet nicht, sondern es ist eine Mischung aus Regen, Hagel und Schnee 
Wir durchfahren also Daylesford und unser nächster Stopp ist in Creswick. Nun, auch Creswick hat nichts Bedeutendes zu bieten, ausgenommen das Kaffeehaus, in das wir gehen und das kurz nach uns von einer Hausfrauen-Partie überfallen wird. Aber man muss ehrlich zugeben, der Cappuccino ist wirklich gut.
Anschließend schlendern wir noch ein wenig durch Creswick und stoßen unvermittelt auf das Creswick-Museum. Wir interessieren uns dafür und dürfen pro Nase $8 hinblättern. Im Nachhinein die Frage – wofür bitte die $8 Wir konnten uns ein paar Gegenstände ansehen, mit denen die früheren Goldgräber nach ihrem Fund suchten, z. B. einen Spaten, eine Schaufel, einen Hammer etc. Erstaunlich ist nur, wie viele Bilder von angeblichen damaligen Berühmtheiten aufgehängt sind. Naja, vielleicht sind wenigstens die Bilder etwas wert 
Unser nächstes und für heute letztes Ziel soll unser Übernachtungsort Ballarat sein. Aber um unsere Unterkunft „Quest Ballarat“ zu finden, brauchen wir mehr als 1,5 Stunden. Während der Suche bitte ich Michi, er solle doch endlich zum Handy greifen und im Motel nachfragen, wie man dorthin kommt – ich glaube, sonst säße ich jetzt noch hinter dem Lenkrad 
Der Fehler an der Sache ist, dass „Hotelclub.net“ als Adresse die „Melbourne Road“ angab, aber genau in dieser Road gibt es kein einziges Motel. X-mal fahre ich die diversen Straßen auf und ab, das Motel bleibt versteckt. Erst das Telefonat bringt Licht in die Dunkelheit und innerhalb von 3 Minuten finde ich dann das Motel.
Oh Gott, sind die Zimmer (2 Schlafzimmer) kalt Kein Wunder bei dem Wetter da draußen Das Allererste ist, dass ich den Ölradiator, der im Zimmer steht, anwerfe. Aber viel schlimmer ist das Badezimmer. Dort ist nämlich ein Teil des Fensterglases herausgeschnitten, um bessere Luft hineinzubringen.
Wir verlassen die unwirtliche Stätte und fahren in die Innenstadt von Ballarat zum Dinner, ins „GeeCees“, einem blauem Gebäude in der City, das man eigentlich gar nicht verfehlen kann. Michi isst Hühnchen mit Reis, ich mein heißgeliebtes Känguru.
Nach Rückkehr zum Motelzimmer knöpfe ich mir die vier Reisetaschen vor. In Linz hatte ich sie jeweils zu ¼ mit den Klamotten von uns gepackt und darin will ich nun Ordnung bringen. Tja, das dauert seine Zeit.
Michi schläft schon seit mindestens einer Stunde, ich werde ihm nun ins Bett folgen, mittlerweile ist es nämlich 00.15 Uhr – vom Montag 
Tageskilometer: 299,6
Gesamtkilometer: 37.716,6
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