Dienstag, 7. Oktober 2003 :
Um 6.40 h weckt uns der Wecker aus dem Tiefschlaf, na ja, für mich ist es nicht gerade der Tiefschlaf, aber zumindest Schlaf 
Auf das Frühstück im Restaurant verzichten wir aus Zeitgründen, stattdessen machen wir uns im Zimmer Kaffee & Tee. Genau genommen ist dafür Michi zuständig, ich packe unterdessen unsere Siebensachen zusammen, schleppe alles zum Bushie und verstaue es – wie immer halt Manchmal könnte man glauben, ich sei der Butler – oder die Butlerin  
Abfahrt ist um 7.40 Uhr Fast ein Rekord  
Allerdings steht noch tanken am Programm und das bringen wir gleich in Broken Hill hinter uns. Ob nun Broken Hill oder White Cliffs, das scheint uns von den Diesel-Preisen her egal zu sein. Tatsache ist, wir wollen Diesel, egal um welchen Preis.
Um 7.45 Uhr sind wir bei der Shell-Tankstelle Broken Hill:
bei Tages-Km: 0,4
Gesamt-Km: 183.975
hinten: 45,60 l
vorne: 45,43 l
$/l: 0,939
Gesamt: $ 85,48
Nach uns fast endlos erscheinenden (haben wir etwa Hunger ) 79,2 km erreichen wir das Little Topar Roadhouse, es ist mittlerweile 9.15 Uhr – allerdings müssen wir kurz vorher die Uhr um ½ Stunde vorstellen, Zeitwechsel ist wieder mal angesagt. Man hat ja sonst nix zu tun 
Im Roadhouse bestellen wir uns das übliche cooked breakfast und sind erstaunt, was uns geliefert wird. Zum Einen ist es erstklassig gut und zum Zweiten auch nicht gerade spärlich, somit brauchen wir bis zum Abend nichts mehr essen.
Um 10 Uhr fahren wir weiter, Kilometer für Kilometer....
Gegen 11.45 Uhr sind wir in Wilcannia, genau jenem Ort, vor dem uns der Besitzer des Packsaddle Roadhouses gewarnt hat. Und nicht zu Unrecht, obwohl wir wirklich nicht voreingenommen sind. Bei allen Läden sind die Türen und auch Fensterscheiben durch schwere Eisengitter geschützt, woraus wir schließen können, dass es hier zumindest zeitweise etwas gefährlich sein könnte. Dass Aborigines zu sehen sind, stört uns keineswegs. Die armen Leute wurden ja nur wegen der Olympiade hierher verbannt und können nun nicht mehr weg Es ist wirklich menschenverachtend, wie man mit ihnen umgeht, kaum zu fassen und doch wahr  
|
| 
Aber es hilft alles nichts, genau jetzt muss ich für kleine Mädchen Zu diesem Zwecke peilen wir die Tankstelle an, den Bushie stelle ich ein wenig seitlich ab. Kaum steige ich aus, stellt sich in unsere unmittelbare Nähe ein Polizeiauto, zwei Polizisten steigen aus. Doch sie wollen uns nicht kontrollieren, sie wollen auch nicht tanken, sie stehen einfach nur da und warten. Also genau das ist geschehen, was uns der Besitzer vom Packsaddle Roadhouse erzählt hat – sobald man anhält, wird man von der Polizei bewacht/beschützt Erst als ich wieder ins Auto einsteige und los fahre, tun die beiden Polizisten dasselbe: steigen auch ein und fahren weg.
Insgesamt macht Wilcannia einen sehr verwahrlosten Eindruck.
Das einzig Interessante an diesem Ort ist die Brücke, über die wir gleich zwei Mal fahren.
Es gibt sogar ein unbeschädigtes Gebäude - die Kirche 
Unser Ziel ist jedoch White Cliffs und so verabschieden wir uns ziemlich schnell von diesem unwirtlichen Ort. |

|
Das nächste Hinweisschild, kaum haben wir Wilcannia verlassen, weist uns darauf hin, dass es bis nach White Cliffs 93 km seien.
Allerdings ist das sofort darauf gesichtete Informationsschild vollkommen falsch. Es wird beschrieben, dass die nächsten 10 km sealed seien, dann 12 km unsealed und dann 82 km sealed.
|
| 


|
Wenn mich mein innerer Computer nicht völlig im Stich lässt, macht das aber in der Summe 104 km aus – und nicht 93  
Aber uns ist ohnehin schon längst aufgefallen, dass im Grunde genommen die Kilometer-Angaben von Straßenkarten gegenüber der Realität zum Vergessen sind.
Egal, wie dem auch sei, der Anfang der Straße ist geteert, dann kommen ein paar Kilometer unsealed, die ab und zu nicht unbedingt lustig sind, der große Rest ist dann wiederum bis nach White Cliffs geteert.
Doch noch lange, bevor wir nach White Cliffs kommen, machen wir beim „Twelfth Creek“ Pause, sozusagen Lunch. Wir essen zwar praktisch nichts, sondern trinken nur, aber Schuld daran ist die traumhafte Wildblumenblüte rings um uns herum.
Wenn ich mich an die Filme erinnere, die ich im TV von der Gegend Broken Hill / White Cliffs gesehen habe, frage ich mich, wo sind wir nur gelandet Das hier hatte nicht im Entferntesten etwas mit den Filmen zu tun Hier ist nichts von verbrannter Erde, Dürre etc. zu sehen, sondern saftige grüne Wiesen, Blüten über Blüten  Sollten wir tatsächlich solch ein Glück haben, die exakt richtige Jahreszeit erwischt zu haben Sieht ganz danach aus 
Ungefähr eine halbe Stunde, bevor wir White Cliffs erreichen, sehe ich rechterhand ein Schaf mit einem „etwas“. Dieses „etwas“ stellt sich beim genauen Hinsehen als zwei ganz, ganz junge Schafe heraus, sie mussten wohl erst kurz zuvor auf die Welt gekommen sein. Die Mutter bleibt wie angewurzelt stehen, die Jungen versuchen aufzustehen, was ihnen auch mühevoll gelingt und sofort saugen sie die Milch 
|
| Wir denken, es müsste jeden Moment das dritte Junge auf die Welt kommen, denn die Mutter ist noch ordentlich dick, aber nichts dergleichen geschieht – im Gegenteil: die Mutter macht sich mit ihren zwei Jungen auf den Weg und wir uns auf unseren. Wir wollen nicht weiter stören.
|
| Um 13 Uhr kommen wir in White Cliffs an:
Tages-Km: 296,8
Gesamt-Km: 184.272
Das Schild „Welcome to White Cliffs“, auf einem alten Auto, das wohl mal einem Digger gehört haben musste, montiert, heißt uns willkommen.
Dass angeblich 200 Leute hier konstant wohnen, kann ich nicht glauben, aber auch nicht das Gegenteil beweisen. Wir haben jedenfalls den Eindruck, als sei White Cliffs so gut wie ausgestorben.
|
 |
Witzig ist, dass uns anstatt der Opale die „Solar Power Station“ als Erstes begegnet. Jeder dieser Spiegel misst 5 m im Durchmesser und die Solar-Station ist die Erste der Welt ist, die auch heute noch funktioniert. Von Letzterem können wir uns überzeugen, denn die Spiegel drehen sich automatisch nach der Sonne. Witzig ist, dass just von Siemens ein spezieller Wechselrichter für Solarzellen geliefert wurde.
Wir wollen diese Solar Power Station natürlich besichtigen, aber das Tor ist fest verschlossen. Stattdessen findet sich ein Schild „Call Andy, 809 166 33 or 809 167 31“.
Michi ruft von der Telefonzelle, die im Ort direkt neben der Post steht, an, aber es hebt niemand ab. Im nicht weit entfernten Visitor Center erfahren wir, dass die Saison praktisch vorbei ist und dass Andy wahrscheinlich gar nicht mehr in der Stadt (Stadt  ) sei. Also ist nix mit Besichtigung.
Was nun 
Wir schlendern ein wenig durch White Cliffs und sehen einen "Stadtplan" der besonderen Art. |
 |
Weiters kein Problem, denn ich habe schon vor Monaten „Jock's Place“ im Internet ausfindig gemacht. Er soll ein schrulliger Kauz sein, der einem gerne gegen ein paar wenige Dollar sein Zuhause zeigt.
Denke ich vorerst noch, es würde sich schwierig gestalten, Jock zu finden, so stellt sich das als großer Irrtum heraus, denn an fast jeder Ecke steht ein Schild mit dem Hinweis zu Jock's Home und dass es von 9am bis 5pm geöffnet sei. Wie der Eingang zu Jock's Home aussehen würde, weiß ich vom Internet, denn dort fand ich ein Foto und |
| ich erkenne es nun in natura sofort wieder Doch vorerst begrüßt uns ein Hund, huch, genau das Richtige für mich Ich und Hunde – oder Hunde und ich – das ist keine gute Kombination
Aber wider Erwarten tut er mir nichts , er bellt nur und kurz darauf kommt auch schon Jock aus seiner Behausung hervor. Er heißt uns herzlich willkommen, erwähnt, dass wir Fotos und Filme nach eigenem Belieben von jeder Ecke seines Dugouts machen dürfen und dann geht's ab „under ground“ 
Ach du grüne Neune Die einzelnen Räume sind eigentlich soweit ok, aber die extreme Unordnung, die dort herrscht, überrascht mich doch etwas. Um es treffender auszudrücken – es ist eine Unordnung, die ihresgleichen sucht. Aber immerhin ist alles vorhanden, von der Küche, bis zum Bad, dem Wohn- und dem Schlafzimmer, ein Raum ist mit Regalen voll, auf denen vollkommen verstaubte leere Flaschen von allen möglichen Getränken stehen. Doch es ist nicht nur die Unordnung, die uns verblüfft, sondern fast noch mehr verblüfft uns, welche Raritäten sich in seinem Haus befinden, teilweise museumsreif und ich möchte nicht wissen, welchen Wert dies hat.
Jock erzählt einiges aus seinem Leben, spricht auch von seiner Frau, die Künstlerin gewesen sei (sei Wo ist sie jetzt Hat sie ihn auf Grund der Unordnung verlassen oder ist sie gestorben Wir wagen nicht zu fragen).
Jock zeigt uns auch eine bestimmte Stelle in seinem Dugout, an der man an der Wand ein schmales Opalstückchen erkennen kann.
|
Wir fotografieren und filmen tatsächlich viel, denn Jock ist wirklich etwas Einzigartiges. Was wird wohl einmal aus all seinen Sachen – und White Cliffs – wenn er nicht mehr lebt Im Internet habe ich gelesen, er sei 58 Jahre, aber ich weiß nicht, wie aktuell der Bericht ist und schätzen kann ich Jock nicht, bin aber der Meinung, er sei ein paar Jährchen älter.
Zum Abschluss fotografiert mich Michi mit Jock. Als Gag nimmt Jock zwei verstaubte und leere Flaschen, gibt eine davon mir und wir tun so, als würden wir auf irgendetwas anstoßen  |
 |
.....Als ich – Stunden später – im Underground Motel unsere Fotos auf den Laptop überspiele und auch ansehe, fällt mir auf, dass Jock heute haarscharf dasselbe Hemd, auch dieselbe Hose und dieselben Schuhe anhatte, wie ich sie vom Internet ausgedruckt habe  Das gibt's doch gar nicht Soll das heißen, Jock hat ansonsten keine Kleidung Dieses Rätsel werden wir wohl nie lösen können..... |
| Gerade in dem Augenblick, als wir uns von Jock verabschieden, hören wir ein relativ lautes Knattergeräusch – ein weiteres Auto nähert sich Allerdings kein normales, sondern ein Oldtimer.
Vom Fahrer und seiner Frau erfahren wir, dass sie an einer Oldtimer-Fahrt teilnehmen, die sie von Sydney über Adelaide, die Flinders und Gammon Ranges, den Birdsville Track, Broken Hill – nun eben gerade White Cliffs – und in späterer Folge über Canberra wiederum nach Sydney und letztendlich nach Tasmanien führen sollte. XXX-tausende Kilometer mit solch einem Auto Einfach unvorstellbar Und gerade dieser Oldtimer, der bei Jock auftaucht, hat sogar Holzfelgen 
Ich denke, mich tritt ein Elch – ähhh, Känguru 
Nach dem Besuch bei Jock suchen wir das Visitor Center auf, um nochmals Kaffee zu konsumieren und beratschlagen, was als nächstes folgen könnte und wir kommen zu dem Entschluss, wir fahren einfach kreuz und quer durch White Cliffs – das kann bei der geringen Größe ohnehin keine Schwierigkeit sein.
Gesagt – getan, aber ein wenig vorsichtig muss ich schon sein.
Aber ich wäre nicht Angie, wenn ich nicht mitten durch die Opalfelder fahren würden Na gut, anfangs fahre ich noch auf dem unsealed track, aber das wird mir zu eintönig und ich fahre halt einfach so, dass wir mit dem Bushie in kein Digger-Loch hinein fallen
Michi ist ganz und gar nicht begeistert, ich dafür umso mehr – tja, manchmal sind wir uns nicht ganz einig , aber da ich der Driver bzw. die Driverin bin, geht es diesmal und ganz ausnahmsweise nach meinem Kopf |



jetzt geht's durch die Opalfelder |
 |
 |
Dafür sehen wir Stellen, die sonst nie oder nur selten ein Tourist zu sehen bekommt und Michi ist wieder versöhnt .
Die Arbeitsgeräte der Digger stehen still, kein Laut ist zu hören. |
|
Als wir schon beim Rückweg sind, muss ich plötzlich bremsen – zwei Skinks wollen soeben den Track queren und ich möchte doch die beiden nicht überfahren Irgendwo haben wir vor wenigen Tagen gelesen, dass nun gerade Paarungszeit für diese Tiere sei und nun ertappen wir die beiden, die etwas ganz bestimmtes vorhaben 
Nein, keine falsche Hoffnungen, bei der Paarung können wir sie nicht filmen oder fotografieren, aber ansonsten verhalten sie sich wirklich süß. |
 |
Sie krabbeln entweder hintereinander oder nebeneinander her, sehen sich dann wieder an, krabbeln weiter und so geht es eine ganze Zeit lang. Da wir die beiden aber nicht noch länger stören wollen, ziehen wir uns zurück und lassen sie in Ruhe.
Da es unserer Erfahrung nach ohnehin bald finster werden würde, fahren wir zu unserer Unterkunft, namens „Undergroud Dogout Hotel/Motel“.
Ankunft im Underground Dogout Hotel/Motel um 17.30 Uhr bei
Tages-Km: 321,7
Gesamt-Km: 184.296
Dort trifft uns allerdings beinahe der Herzinfarkt 
Nirgendwo bei meinen monatelangen Vorbereitungen habe ich gelesen, dass in diesem Underground Hotel/Motel sowohl die Duschen als auch die WC's irgendwo in weiter Ferne am Gang sind. Ich bin davon ausgegangen, dass es so wie in Coober Pedy ist, denn auch dort haben wir in einem Underground Hotel gewohnt, das allerdings Dusche und WC in der eigenen Unterkunft inkludiert hatte.
Mann, sind wir enttäuscht Am liebsten würden wir kehrt machen, aber wohin Es gibt nichts Besseres, daher beschließen wir, zu bleiben.
Unser Zimmer hat die Nummer 18 und ist an sich in Ordnung, bis auf die Kleinigkeit, dass uns nach wenigen Minuten ein Käfer über den Weg läuft, ca. 6 cm lang und grellgrün. Keine Ahnung, welcher Käfer das ist, Michi entfernt ihn dezent.
Und dann ab zum Abendessen.
Es sind sehr wenige Gäste vorhanden und es sind nur zwei runde Tische gedeckt, an einem sitzen 8 Personen, an unserem insgesamt 7. Es gibt ein 3-Gänge-Menü, wobei die Suppe – na ja, lassen wir das Thema - nicht unbedingt hätte sein müssen. Der Hauptgang ist allerdings erstklassig, Steak mit Gemüse, Kartoffeln, guter Soße, darüber können wir wahrlich nicht klagen. Über die Nachspeise kann ich kein Urteil abgeben, da ich sie nicht essen darf. Es handelt sich lt. Michi um ein Stück Kuchen mit Vanilleeis, Michi's Urteil ist jedoch gut.
Später rätseln wir in unserem Zimmer, ob es uns morgen wohl gelingen würde, Andy zu erreichen, um endlich die Solar Power Station besichtigen zu können.
Vor dem Zu-Bett-gehen suchen wir nochmals die Toiletten auf, sicherheitshalber haben wir je eine Taschenlampe dabei, da am Abend schon mal für längere Zeit der Strom ausgefallen ist und ohne jegliches Licht steht man in einem Underground Hotel ganz schön dumm da Also ehrlich, wenn man dringend muss, kann ein WC ganz nett weit entfernt sein 
Erst knapp vor Mitternacht bin ich ins Bett, slepp well  
|
|