Sonntag, 12. Oktober 2003 :

Der Wecker bimmelt, wie immer, um 7 Uhr.
Das Breakfast machenen wir uns im Motel selbst und zu diesem Zwecke hole ich Sachen aus dem Bushie, nämlich Spam, Eier, Müsli für Michi und unsere Brötchen und um 7.30 Uhr verspeisen wir es.

Um 8.20 Uhr fahren wir vom Motel nach Echuca zurück und da mir die Strecke nun schon bekannt ist, gehen die 75 km auch sehr rasch vorbei.

Bei Tages-Km 74,6 (Gesamt-Km 185.950, 9.15 h) kommen wir in Echuca im Wharf an.

Sofort stürzen wir uns zu jenem Häuschen, in dem man die Paddelstreamer-Fahrten buchen kann. Der zuständige Herr, derselbe wie gestern Nachmittag, sperrt gerade seinen Laden auf und erkennt uns sogleich wieder. Weshalb, weiß ich nicht, aber es ist halt so. Vielleicht hat er auch ein schlechtes Gewissen, da er uns gestern für 15.45 Uhr zusagte, der PS Adelaide würde fahren und es war dann doch nicht so. Jedenfalls sagt er sofort, ohne dass wir bis auf „good morning“ noch irgendetwas Weiteres sagen können, „the Adelaide is at 12 pm today“. Wir müssen fast schmunzeln Laughing

Da wir noch genug Zeit haben, sehen wir uns gründlich die alten Geräte an, für die wir gestern nur kurz Zeit hatten, trinken gemütlich Kaffee.

Unter anderem können wir beim Schafe-scheren zusehen und gelangen auch zu zwei Zelten, in denen Modelle der Paddelstreamer ausgestellt sind. In einem dieser Zelte treffen wir auf den Modellbauer und er erzählt uns, dass er seine Paddelstreamer nahezu ausschließlich aus bereits gebrauchtem Material gebaut hat. Z. B. sind die Holzböden der Paddelstreamer aus den Stäbchen, die man üblicherweise für Eislutscher oder notfalls zum Umrühren im Kaffee benützt, gebastelt, Schornsteine bestehen aus Stroh- bzw. Plastikhalmen, auch das Ende eines Billardstabes (oder wie nennt man dieses Ding, mit dem man die Kugeln beim Billard bewegt Question) finden Verwendung. Echt erstaunlich, der Einfallsreichtum dieses Mannes Exclamation Er erzählt auch, dass er seit 10 Jahren arbeitslos sei und das Modellbauen sei nun sein größtes Hobby. Fallweise kommt er erst gegen 3 oder 4 Uhr morgens ins Bett Exclamation

Kurz vor 12 Uhr finden wir uns bei der PS Adelaide ein, die im Hafen liegt.
Mit noch weiteren 8 oder vielleicht 10 Touristen gehen wir an Bord (mehr haben ohnehin nicht Platz) und dann geht die Fahrt los Very Happy Wir fahren ½ Stunde lang den Murray River entlang, vorbei an zahlreichen Hausbooten, auf denen die Mieter (oder Besitzer Question) bereits ein Sonnenbad nehmen. Heute ist es gegenüber gestern viel windstiller und es ist optimales Wetter.

Auch an anderen Paddelstreamern fahren wir vorbei.


PS Canberra


PS Emmy Lou


PS Pevensy

Zur Holzkonstruktion am Hafen muss ich noch etwas erwähnen:
Das ist eine echt wilde und derbe Konstruktion, nahezu alles ist aus der früheren Zeit, kaum noch etwas erneuert – bis auf etwas Gravierendes:
Man kann auf drei Etagen die Boote bzw. Paddelstreamer betreten. Vorerst war jahrelang die unterste Etage dafür gedacht, dann kam ein großes Hochwasser und niemand wusste, wie man in die Boote gelangen sollte – also bauten sie eine Stegkonstruktion ca. 3 – 4 m höher Das ging jahrelang gut, bis das nächste Hochwasser kam, das allerdings um etliches höher lag als das Vorhergehende. Was blieb also übrig, also wiederum einen neuen Steg zu bauen, der ca. 2 – 3 m höher lag als der zweite. So sind mittlerweile zwischen dem untersten und dem obersten Steg ca. 7 m Höhenunterschied. – Also, nachgemessen habe ich das nicht, es ist nur meine Schätzung Laughing


Port of Echuca

Während unserer Fahrt mit der Adelaide begegnen uns auch andere Paddelstreamer, aber sie sind alle jünger als die Adelaide – genau das macht das Besondere an der Adelaide aus Exclamation
Übrigens wird die Adelaide während unserer Fahrt mindestens zwei Mal mit neuem Brennholz versorgt, andernfalls würden wir jetzt noch irgendwo am Murray River herumirren Laughing

Nach insgesamt 1 Stunde ist die Fahrt vorbei, wir steigen wieder aus, aber ich muss natürlich noch weitere Fotos von der Adelaide und auch von anderen Paddelstreamern schießen. Es gibt sie ja wirklich in jeder Größe, auch eine ganz winzige Nussschale ist dabei, sieht echt witzig aus Exclamation

Unweit von diesen Paddelstreamern liegt noch ein weiterer im Wasser, nämlich der „Hero“, der gerade restauriert wird. Er darf betreten werden und in ihm sind zahlreiche Fotos von vergangenen Zeiten aufgehängt. Hier sieht man unter anderem, in welch erbärmlichen Zustand der Hero vor Jahren im Schlamm gefunden und auch geborgen wurde. Ehrlich, jeder vernünftige Mensch hätte gesagt, herausziehen und weg damit, ist alles nur noch Schrott. Aber hier gab es einen Mann (den es auch heute noch gibt), der es sich in den Kopf setzte, den Hero zu restaurieren. Er fand auch zahlreiche Freiwillige, die ihm seither dabei helfen, aber es ist ein äußerst mühseliges Unterfangen, das angeblich noch bis Mai 2004 dauern wird. Zu diesem Zeitpunkt ist geplant, dass der PS Hero – nach vielen langen Jahren des Brachliegens – wieder ausläuft Exclamation
Gerade als wir kehrt machen wollen, sehen wir zwei Damen in Kostümen aus dem vorigen bzw. 18. Jahrhundert und zwei Herren in schwarzen Anzügen auf den PS Adelaide zugehen. Eine der Damen hat einen Korb in der Hand, ein Tuch verdeckt irgendetwas darunter. Wir sind neugierig, was das nun werden sollte, denn außer diesen Leuten geht – bis auf den Captain – niemand an Bord der Adelaide. Ich meine noch zu Michi, dass der eine Herr im schwarzen Anzug aussähe, als sei er ein Priester, da stellt sich im Handumdrehen heraus, dass nun auf dem PS Adelaide eine Schiffsmesse stattfinden soll Exclamation Was haben wir doch für ein Glück Exclamation


Messe am PS Adelaide

Im Zuge dieser Messe wird auch klar, was sich in dem Korb der einen Dame befindet – drei Kreuze aus Holz, die zuerst gesegnet und dann in den Murray River geworfen werden.

Der zweite Herr, der schon ziemlich alt ist, ist ein früherer Schauspieler, der unheimlich viel zur Erhaltung des PS Adelaide beigetragen hat – er wird im Rahmen dieser Messe geehrt. – Das ist wirklich beeindruckend und vor allem erlebt man das nicht alle Tage.

Um 14.40 Uhr verabschieden wir uns von Echuca, es liegen noch etliche Kilometer vor uns.

Ampol-Tankstelle Echuca um 14.42 Uhr bei Tages-Km 75,3:

vorne: 24,89 l
$/l: 0,939
Gesamt: $ 23,37

Um 15.30 Uhr bei Tages-Km 113,7 machen wir verspätetes Lunch, da wir seit dem Frühstück nichts mehr gegessen haben. Wir essen Spam und Eier, in der Pfanne abgebruzzelt und um 16 Uhr fahren wir weiter.

Der Weg führt uns über Cobram, Yarrawonga (mit dem Lake Mulwala zur Linken) nach Albury.

In Albury machen wir, obwohl es schon dämmrig ist, kurz Halt und spazieren ein wenig herum. Um die Bäume sind Lichterketten gehängt, es sieht fast weihnachtlich aus.

Weiter geht's und um 19.40 Uhr kommen wir im „Skye Motor Inn“ in Holbrook an. Witzig ist, dass dort zwei Readers Digest-Hefte am Nachtkästchen liegen, eines stammt von 1993 ExclamationExclamationExclamationLaughing

Zum Dinner gehen wir ins benachbarte Hotel, das nur ein paar Schritte entfernt ist.


Tages-Km: 384,2
Gesamt-Km: 186.260