Montag, 21. 6. 2004:
Weckerläuten ist, wie üblich, um 6:00. Da Kona erst gegen 9:00 munter wird, sind wir, sieht man von den Fastfood-Ketten ab, gezwungen, im Hotel zu frühstücken. Wir nehmen das Buffet, das sehr umfangreich ist und Michi kommt sogar zu seinem geliebten Müsli.
Um 8:30 verlassen wir das Hotel, wir wollen unbedingt in den Nationalpark. Der Mauna Iki Trail (nicht mit dem Kilauea Iki Trail zu verwechseln ) steht am Programm.
Eine lange Fahrt liegt vor mir, Michi schläft teilweise am Beifahrersitz. Das Cafè, das gestern am späten Nachmittag schon geschlossen hatte, hat heute bereits geöffnet. Es heißt "Qilani Organic Orchid Retreat House" bzw. "Ka'u Tropical Espresso Bar" und wie letzterer Name erkennen lässt ("Ka'u"), steht es im Desert im Süden von Big Island, unmittelbar am Hwy. 11.
Bei dieser Bar handelt es sich um einen offenen Stand, eigentlich sieht er genauso aus wie die Fruchtstände, die man immer wieder sieht, nur halt um einiges größer. Was uns sehr erstaunt - dort bekommen wir doch tatsächlich einen Espresso Klar, am Schild außerhalb steht es zwar, aber Papier und Schilder sind geduldig und nicht immer stimmt, was drauf steht. Der Kaffee ist wirklich gut.
Nach nicht allzu langer Zeit fahren wir weiter. Und der Weg zieht sich und zieht sich. Kurz vor 11:00 sind wir beim Parkeingang.

Beim Visitor Center erkundigen uns wir bezüglich eines Permits, denn im Reiseführer habe ich gelesen, dass während der Brutzeit von Nene im Frühjahr der Trail gesperrt sein könnte.
Seltsamerweise weiß die Lady vom Visitor Center nichts von solch einer Regelung und Permits für diesen Trail braucht man nie. Na gut, dann also ohne
Um zum Mauna Iki Trailhead zu kommen, müssen wir allerdings noch ein Stück weiterfahren, zuerst den Crater Rim Drive (kurz vor dem Visitor Center biegen wir linkerhand ab) und fahren anschließend (wiederum linkerhand) ein Stück der Chain of Craters Road. Um diese Uhrzeit ist schon ziemlich viel Verkehr. Nach 2,3 mi auf dieser Straße, gegenüber dem Parkplatz zur Thurston Lava Tube, zweigen wir rechterhand in die Hilina Pali Road ab.
Nach weiteren (lt Plan) 3,9 mi kommen wir zum Kulanaokuaiki Trailhead (no water), von dem, wiederum lt. Plan, der Mauna Iki Trail weggeht. Der Parkplatz ist völlig leer, Aussicht auf ein Schattenplätzchen findet sich angesichts dessen, dass wir uns im Ka'u Desert befinden, nicht. Wir ziehen uns festes Schuhwerk an und besichtigen zuerst die nähere Umgebung beim Parkplatz. Hmmm, wo ist denn nun der Beginn des Mauna Iki Trails Sowohl rechts- als auch linksherum beim Parkplatz gibt es schmale, asphaltierte Wege. Sie führen aber jeweils nur zu Picknicktischen mit Bänken und einer dazugehörigen mit Holzbalken eingefassten Plattform, ca. 4 x 4 m messend, die mit Sand bzw. feinem Kies ausgefüllt sind. Das sind also die vorgegebenen Standorte für Zelte Auch eine Toilette gibt es sogar, nicht übel.
|
| Ein genauerer Blick in die Karte zeigt, dass wir offenbar zu früh angehalten haben. Also fahren wir noch ein ganz kurzer Stück weiter und das winzige Schild am Straßenrand, kaum zu sehen, zeigt das Wander-Zeichen. Auch hier ist der Parkplatz gähnend leer. Der Trailhead heißt übrigens - wie könnte es auch anders sein - Mauna Iki Trailhead
Lt. der berühmten braunen Tafel sollten es bis zum Mauna Iki 6,8 mi sein, lt. "Earthwalk Press Hiking Map & Guide"-Karte 7,0 mi, der "Beer-Karte" nach 6,0 mi. Macht also eine ganze Meile Differenz aus. Papier ist geduldig….
Der Mauna Iki Trail ist besonders zu Beginn mit zahlreichen Steinmännchen markiert und wir gehen über Pahoehoe-Lava, die nur wenig von Ohias bewachsen ist. Diese doch karge Landschaft hat etwas an sich und die leuchtend-rote Farbe der Ohia-Blüten macht sich auf dem schwarz-braunen Lavaboden sehr gut aus.
Meine Güte, ist das vielleicht heiß Mein Thermometer zeigt fast 38° C an Entsprechend groß ist unser Wasserverbrauch.

die "Zähne"
Die Steinmännchen-Markierung wird zwar spärlicher, aber dafür hat sich jemand viel Mühe gemacht und oftmals den Weg mit Lavasteinen markiert. Und immer wieder diese ausgezahnten Lavaspalten - und außer uns kein einziger Mensch
Der Blick auf den gegenüber liegenden Mauna Loa bleibt uns allerdings die ganze Zeit verwehrt. D. h., wir sehen den unteren Teil und fallweise die Spitze, das restliche wird von einer weißen Wolkenschicht eingehüllt. Sieht irgendwie ganz interessant aus.
Mittlerweile ist es 1:30 pm und wir haben Hunger. Michi macht den Vorschlag, beim Pu'u Ko'ae etwas von unserem Mitgebrachten zu essen, aber der Pu'u Ko'ae liegt gewiss noch 3/4 Stunden Gehzeit von uns entfernt. Das ist mir zu lange und ich schlage vor, bei diesem seltsamen "Steinhaufen", bei dem wir angelangt sind, zu lunchen.
Der Steinhaufen muss in früheren Zeiten eine große Lavaröhre gewesen sein, die dann eingebrochen ist, zumindest sieht es für uns so aus.
In der Mitte, ca. 2 m unter uns, ist nur Sand, Sand, Sand. Wir suchen uns zwei Steine aus, auf denen wir gut sitzen können und verspeisen den Inhalt unserer Sardinendosen.
Der Himmel ist zwar bewölkt, aber es ist nach wie vor sehr heiß - und 2:30 pm.
Eigentlich bin ich der Meinung, wie gehen nun zumindest bis zum Pu'u Ko'ae, aber da mache ich die Rechnung ohne Michi Er will unbedingt umdrehen
Langsam und wortlos gehen wir zurück. Michi muss ein paar Mal stehen bleiben, er behauptet, wir gehen zu schnell, aber noch langsamer ist nicht möglich, sonst würde ich im Stehen einschlafen.
|


Nach einiger Zeit kommen wir zu den bekannten "Zähnen", von denen es dort mehrere gibt. Dabei handelt es sich um mehr oder weniger lange und breite Lavaspalten.
Diese Spalten haben das Aussehen von Zähnen. Manche der Spalten sind bis zu geschätzten 3 m tief und jedenfalls so breit, dass wir locker hineinfallen könnten.
Immer wieder sehen wir große, eingestürzte Lavatunnel und auch beim Gehen spüren wir oftmals, dass wir auf Lavatunneln wandern, es klingt ganz hohl. Dumm ist nur, dass man nie weiß, wie dick die Lavaschicht unter einem ist - hält sie unser Gewicht oder brechen wir ein
Wir finden des öfteren große Ansammlungen von "Pele's hear", die richtig golden in der Sonne glänzen. Der Wind treibt sie wohl zusammen.
"Pele's tears" kann ich jedoch nicht entdecken.
Ab und zu müssen wir beim Weiterweg kleinere "Felder" durchqueren, die ausnahmslos aus schwarzem Sand bestehen. Wir bräuchten nur noch einen Pool daneben

auch das nennt sich Trail

unser Rastplatz

Michi ist noch skeptisch und begutachtet den Sitzplatz von oben |
Ich habe die Vermutung, er bleibt deswegen stehen, weil er merkt, dass wir in Kürze beim Auto sein werden.
Nach 45 Min. erreichen wir unser Auto und Michi behauptet immer noch, wir seien gerast
So, und nun Es ist 3:15 pm, was sollen wir mit dem angebrochenen Nachmittag tun
Der Grund, weshalb Michi zum Zurückgehen drängt ist jener, dass wir noch eine lange Fahrzeit nach Kona haben würden. Ja, eh klar Das weiß ich selbst, fahre ich doch auch selbst.
Auf der Rückfahrt zweigen wir nach Volcano Village ab und trinken dort Kaffee. Regular, versteht sich. Plötzlich spricht Michi einen Satz, den ich nun wirklich nicht erwartet habe Er fragt mich, was ich davon halten würde, nach Kona zu fahren, unsere Koffer zu packen und wieder nach Hilo zu übersiedeln Ich denke, mich tritt ein Pferd Das ist doch genau das, was ich gestern schon vorgeschlagen hatte, aber da bin ich bei ihm auf taube Ohren gestoßen. Nun ist es seine Idee und somit in Ordnung Männer
Jetzt ist aber Eile geboten, mittlerweile ist es 5:00 pm Wir fahren nochmal in den Nationalpark, genauer gesagt, zu den Telefonzellen neben dem Visitor Center. Glücklicherweise habe ich die Telefonnummer vom Hilo Hawaiian Hotel eingesteckt und Michi ruft an. Die Zimmerreservierung ist kein Problem, Michi gibt noch an, dass wir frühestens um 10:00 pm ankommen werden.
Wir tanken in Volcano Village, ich klemme mich nun hinters Steuer und um 7:00 pm stelle ich das Auto direkt vor dem Hotel in Kona ab. Zu dumm auch, dass ich gestern etliche unserer Kleidungsstücke in die Schubladen gelegt hatte Währenddessen ich unsere 4 Koffer-Reisetaschen packe, checkt Michi aus und trägt nach und nach die Koffer zum Auto und verstaut sie. Nach 15 Minuten ist der ganze Hokuspokus vorbei und wir sitzen schon wieder im Auto - diesmal auf dem Weg zum nächsten Fastfood-Laden, den wir im Einkaufszentrum finden.
Obwohl es schon finster zu werden beginnt, sind wir uns einig, nicht über die Südroute nach Hilo zu fahren, sondern über die Saddle Road
Oh Mann, gerade ist bei Waimea noch Sternenhimmel, kaum sind wir auf der Saddle Road beginnt starker Regen, abwechselnd mit Nebel Das ist wirklich kein Vergnügen, zumal ich nur relativ langsam vorwärts komme. Bis zur Abzweigung zum Mauna Kea kommen uns sehr viele Autos entgegen, mit einer Geschwindigkeit, dass mir der Mund offen bleibt. Ich habe das Gefühl, sie rechnen überhaupt nicht mit Gegenverkehr und jetzt fällt mir auch auf, dass weder ich bisher ein Auto überholt habe noch ich von einem überholt werde. Sind in der Fahrrichtung Waimea > Hilo tatsächlich nur wir unterwegs
Doch nicht, wie sich etwas später herausstellt. Wie aus dem Nichts kommend überholen uns einige Autos mit affenartiger Geschwindigkeit. Sind das etwa dieselben, die uns vorher entgegenkamen Ist die Saddle Road ihre nächtliche Rennstrecke für irgendwelche Übungszwecke Ist es vielleicht die Navi, die an der Saddle Road stationiert ist
Um 10:15 pm sind wir beim Hilo Hawaiian Hotel und bekommen ein sehr schönes, großes Zimmer im 6. Stock.
Beim Einchecken sehen, dass die Bar noch geöffnet ist. Was liegt also näher, als diesen ereignisreichen Tag bei einem Blue Hawaii ausklingen zu lassen
Bis ich dann endlich ins Bett gehe, ist es wieder 1:30. |
|