Montag, 2. 1. 2006:
Um 6.30 Uhr läutet der Wecker. Ich schiebe vorsichtig den Vorhang zu Seite und werde umgehend munter, denn ich sehe traumhaftes Wetter Das wäre für heute genau richtig, denn am Plan steht der Pu'u O'o Vent Trail, den wir schon seit Jahren laufen wollen, der aber meist viel zu matschig ist und daher in eine Schlammschlacht ausartet.
Nun hat es, seitdem wir in Hilo sind, kein einziges Mal geregnet, was ohnehin ein Wunder ist, aber der Trail müsste soweit getrocknet sein, dass man ihn halbwegs gefahrlos laufen kann.
Um 7.30 Uhr gehen wir zum Frühstück ins hoteleigene Restaurant.
Um 9 Uhr ist Abfahrt in Richtung South Glenwood Road. Wir biegen linkerhand in die S. Glenwood Rd. ein, die in weiterer Folge dann Captains Drive heißt und auch ungeteert wird.
Wir kommen kurz vor 10 Uhr beim Trailhead
des Pu'u O'o Vent Trails, der auch Kahauale'a
Trail genannt wird, an. |
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Wir schlüpfen in unsere Wanderschuhe und ziehen mit voll bepacktem Rucksack los, es ist genau 10 Uhr. Vor uns liegen – laut Wanderführer – gute 4 Meilen, bis wir den Pu'u O'o aus nur einer Meile Entfernung sehen würden. Da mir bekannt ist, dass der Trail nicht ganz einfach zu gehen ist, sind wir uns im Klaren, die ganze Strecke schaffen wir heute nicht, denn es wird empfohlen, mindestens zwei Stunden vor Sonnenuntergang wieder beim Auto zu sein. Warum, ist mir völlig schleierhaft, eine Erklärung konnte ich nirgends finden.
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Es gibt eigentlich nur eine Erklärung: Die South Glenwood Road bzw. überhaupt das ganze Gebiet hier ist eine nicht sehr vertrauenswürdige Gegend – um es vorsichtig auszudrücken. Möglicherweise erhöht sich in der Dämmerung das Einbruchsrisiko für Fahrzeuge. Zahlreiche Glassplitter am Boden zeugen davon.
Wir sind uns des Risikos bewusst, lassen nichts im Auto zurück, öffnen die Mittelkonsole, um zu zeigen, dass sie leer ist und sperren dann das Auto ab. Letzteres ist seitens der Autovermieter Pflicht, ansonsten verliert man den Versicherungsschutz und muss sämtliche Kosten, die durch einen Autoeinbruch entstanden sind, selbst bezahlen. Darauf können wir gut und gerne verzichten.
Egal wie dem auch sei, wir marschieren flotten Schrittes los. Die Bodenbeschaffenheit ist eine Mischung aus Lavasteinen, Wurzeln und halbfestem Sand. Es geht immer ein paar Meter leicht bergan, dann wieder ein paar Meter leicht bergab, wir befinden uns also auf einer Hochschaubahn 
Unsere Umgebung ist ein Mischwald, wie man ihn wohl selten sieht. Es wachsen Baumfarne, Ohias, ab und zu ein Eukalyptus, dann wieder Nadelgehölze.
Um leichter vorwärts zu kommen bzw. die nassesten Stellen halbwegs trocken überwinden zu können, haben freundliche Leute (wer eigentlich ) Baumstämme in ca. 0,5 m Breite geschnitten und auf den Trail gelegt. So kann man von einem Baumstamm zum anderen gehen und bleibt halbwegs trocken. Der Großteil der Baumstämme ist mit Moos versehen und schon ziemlich morsch, darauf geht man allerdings sehr gut. Manche Baumstämme sind ziemlich neu, von der Rinde befreit und haben den Nachteil, dass man sehr leicht abrutscht.
Wir wandern frisch-fröhlich dahin, gehen über Wurzeln und (Lava-)Steine, genießen die Ruhe, hören zeitweise dem Zwitschern der Vögel zu und wundern uns, wie wenig dieser Trail begangen ist.
Glücklicherweise haben wir uns gleich zu Beginn mit Moskito-Spray ordentlich und äußerst gründlich eingesprüht, denn diese netten Tierchen gibt es hier zu Millionen |
| Sie schwirren um uns herum, möchten gerne landen, doch der (für uns angenehme) Geruch des Sprays hält sie dann doch ab.
Wie ist das Im Reiseführer ist nichts erwähnt davon…….. Ist der Trail nun mit Meilenmarker versehen oder nicht Keine Ahnung, wir wissen es nicht.
Irgendwie habe ich den Verdacht, dass der Autor des Reiseführers, von dem ich doch so viel halte, diesen Trail schon ein paar Jahre nicht mehr gegangen ist.
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| Hier in diesem tropischen Regenwald ist es jedenfalls sehr schwül, wir schwitzen ohne Ende, aber nicht nur, weil der Weg über Wurzeln etc. auf und ab geht.
Ach Was sehen meine entzündeten Augen : Der MM 1 ist hier Es gibt also doch Meilenmarkierungen, zumindest sieht es jetzt danach aus.
Weiter geht es durch den Regenwald, Farne treiben aus und wir genießen die Ruhe und die Natur. Es ist schlichtweg traumhaft schön hier 
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Ein wenig hinter dem MM 2 sehen wir ein Schild, das linkerhand zum „Emergency Helipad“ führt. Sehr beruhigend 
Wir wandern durch den tropischen Regenwald weiter und können uns gar nicht satt sehen. Den MM 3 haben wir soeben passiert. Na also, so lange kann es jetzt wohl nicht mehr dauern 
Dann kommt endlich das, worauf ich ohnehin schon gewartet habe – der „big crack“.
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| Was ist das denn Wir hören Stimmen, die uns entgegen kommen. Achja, das ist das Pärchen, das vor uns den Trail begann. Sie sind um die 30 Jahre und somit etwas schneller. Nebenbei benutzen sie den Trail als workout, was wir nicht tun. Sie erzählen, dass wir bis zur Sicht auf den Pu'u O'o nur noch ca. 15 Minuten Gehzeit hätten. Gut und schön, aber die 15 Minuten werden für uns sicher nicht reichen. Abgesehen davon haben wir den MM 4 noch nicht gesichtet und der kommt eindeutig vor dem Ende des Trails.
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Wie vom Autor des Buches vorhergesagt, ist die Luft, je näher wir an den Pu'u O'o kommen, mehr und mehr von Schwefeldioxyd durchzogen und das merke ich ganz gewaltig 
Ich beginne zu husten, dass es wirklich nicht mehr lustig
ist. Michi gibt mir sein Hemd, das ich mir vor Mund und
Nase halte. Doch lange geht das nicht gut, ich habe das
Hemd zu weit an meine Nase gedrückt und bekomme jetzt
kaum noch Luft
Also lasse ich es bleiben, irgendwie werde ich schon durchkommen.
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Landschaftlich ist es traumhaft schön hier Wir wandern durch einen Baumfarnwald, der mit Ohias durchsetzt ist. Schade nur, dass die Blüten der Ohias noch ein wenig auf sich warten lassen. Zu spät für uns 
Ach MM 4 haben wir erreicht  Der Pfad ist mittlerweile schon sehr schmal, anscheinend wird er nur noch von wenigen Leuten begangen. Den meisten Hikern macht wohl die schwefeldurchzogene Luft zu schaffen, deshalb drehen sie um.
Plötzlich, wie aus dem Nichts, ist der Wald zu Ende. |

Vor uns breitet sich eine Landschaft aus, die uns – ausnahmsweise nicht wegen des Schwefelgeruches – den Atem nimmt.
Ein großes Lavafeld vor uns und in ca. 1 mi Entfernung der Pu'u O'o, der aktive Krater Oh Mann, das muss man gesehen haben, Schilderungen allein sind viel zu wenig.
Vor uns sehen wir ein Schild, auf dem steht, dass das Weitergehen ab jetzt verboten ist, jeglicher Zugang zum Pu'u O'o ist verboten, braucht man Hilfe, muss man lange darauf warten. |


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| Gut, jetzt, um 13.15 Uhr, haben wir unser Ziel erreicht, uns Gefahren auszusetzen, deren Ende wir nicht abschätzen können, darauf haben wir keine Lust. Das Einzige, was wir machen ist, wir gehen noch ein paar ganz wenige Schritte weiter, aber nur deswegen, weil ich dort eine eingebrochene Lavaröhre entdeckt habe. |
Dann sehen wir zwei kurze Stücke, die von einem Baumstamm geschnitten wurden. Das ist der ideale Picknickplatz, um gleichzeitig den Pu'u O'o beobachten zu können! Super   
Doch der Pu'u O'o hält sich hinter Schwefeldioxydwolken versteckt. Auch rechter- und linkerhand von uns ist der Wald in scheinbaren Nebel eingehüllt. Fotos ergibt das gewiss keine besonders schöne, but that's nature 
Doch innerhalb von wenigen Minuten ändert sich das Bild und der Pu'u O'o wird größtenteils doch sichtbar. |
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Jetzt weiß ich nicht recht, höre ich Stimmen oder unterliege ich einem Irrtum Nein Zwei Touris tauchen auf Ein Paar, das in etwa unserem Alter ist. Wir verstehen uns von Anfang an sehr gut und quasseln, was das Zeug hält. Die beiden sind aus Minnesota und für gerade eine ganze Woche auf Hawaii. Mehr Urlaub pro Jahr haben sie nicht.
Er, der Mann, ist laut Angaben seiner Frau Psychiater und trinkt in unserer Anwesenheit mehrere Flaschen Bier. Den Erzählungen nach müssen sie sich langsam sputen, weil sie im Volcano House heute Abend für das Dinner einen Tisch reservieren ließen. – Und mit diesen Flaschen Bier intus will der gute Mann zum Volcano House fahren Ok, wenn es denn sein muss, meinen Segen hat er, aber wir werden auch genügend Abstand zu seinem Auto halten… |
| Die beiden treten um 14.10 Uhr den Rückweg an, wir um 14.25 Uhr.
Es ist drückend heiß und die Moskitos attackieren uns enorm. Höchste Zeit, um uns wieder mit Antimoskitospray einzusprühen, was zufrieden stellend hilft. RID gibt es leider nicht mehr, aber der jetzige Spray ist auch in Ordnung, nur möchten wir ihn nicht nach Europa mitnehmen, da die Flasche nicht dicht zu bekommen ist. Durch die Mischung aus Baumfarn und Ohia, dazu die sich senkende Sonne, ist der Trail jetzt in einem richtig kitschigen Licht. |
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Und nun sehe ich zum ersten Mal bewusst den gut getarnten Zugang zu einer „Unterkunft“ eines U-Bootes, von denen etliche hier in der Gegend wohnen.
Hier bauen sie alles Mögliche an (was wohl….), bewirtschaften ihre „Farm“, um es höflich auszudrücken und begeben sich nur selten in die Zivilisation.
Angst, von den U-Booten belästigt zu werden, muss man nicht haben. Sie sind eher schüchtern und halten sich versteckt.
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Endlich, um 17.05 Uhr, sind wir beim Auto und finden es unversehrt vor. Wie angenehm Es könnte ja auch anders sein. Auch unsere Reifen haben offenbar noch den gleichen Druck wie vorher, also auch hier stimmt alles.
Also können wir uns ans Umziehen machen, Wanderschuhe aus, Sandalen an usw., usw.
Plötzlich von Michi die Frage „wo ist denn mein Hemd “.
Ähemmmm…. woher soll ich das wissen Es war ihm während der Wanderung zu heiß und ich habe ihm das Hemd, wie schon oft, über den Rucksack gelegt und in die Gurten eingeklemmt. Hat er es am Ende verloren Gegen Ende des Trails ging ich vor Michi her, konnte also nicht sehen, was mit seinem Hemd geschieht.
Ich frage ihn, ob er das Hemd verloren hat und ernte prompt die Antwort „quatsch, das kann nicht sein, denn du warst doch die ganze Zeit hinter mir und hättest bemerkt, wenn ich das Hemd verloren hätte“.
Stimmt – aber nur bedingt Nämlich: Ich ging die letzte Zeit NICHT hinter ihm her, sondern VOR ihm 
Mir fallen nur zwei Vorschläge ein, die ich auch mache. Entweder vergessen wir das Hemd oder wir suchen es. Allerdings wird es in ungefähr 45 Minuten stockdunkel. Viel Zeit bleibt uns also nicht. Michi überlegt hin, überlegt her, kann sich nicht entscheiden.
Ich ziehe mir wieder die Wanderschuhe an, um mich auf die Suche nach dem Hemd zu machen. Uihhh Jetzt ist Michi aber schnell  Er will mich nämlich nicht alleine suchen lassen und ist so rasch in seinen Wanderschuhen wie noch nie 
Jetzt heißt es aber Gas geben Die Zeit läuft uns fast schon davon. Ich setze ein Zeitlimit, an dem wir spätestens umdrehen müssen – mit oder ohne Hemd. Doch das Zeitlimit ist nicht nötig, wir düsen durch den Wald wie nie zuvor und nach 15 Minuten sehen wir das verloren gegangene Hemd vor uns! Es liegt doch glatt einfach am Boden 
Fotos und Film werden angefertigt (Fotos leider wegen einer technischen Panne nicht auf den Laptop übertragbar  ) und wir eilen zum Auto zurück, das immer noch unversehrt ist.
So, jetzt aber wirklich zurück nach Hilo.
Im Foodland kaufen wir noch die nötigsten Dinge und zahlen $ 70 mit der Maikai-Card. Ohne Maikai-Card wären es $ 80 gewesen.
Im Hotel kommt mir nun die wahnwitzige Idee, noch die Wäsche zu waschen. Da die Laundry frei ist, hält mich nichts mehr auf.
Unser Abendessen besteht – wie sehr häufig – aus einem bescheidenen Essen: Salat für Michi, 3 Scheiben Extrawurst + 3 Blatt Käse für mich. Das muss auch bis morgen früh reichen.
So, endlich kann ich mich dem technischen Teil widmen und bis alles erledigt ist, ist es 1.30 Uhr – des nächsten Tages  |
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