Dienstag, 11. 9. 2007:
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Ist das Fenster offen
Nein, die Klimaanlage läuft ja. Ok, dann bleibt
der Wecker, der mich um 6.30 Uhr aus den Träumen
reißt, ausnahmsweise noch mal im Zimmer.
Michi gibt sehr starke Halsschmerzen bekannt. Uih,
uih, ich denke, unsere Planungen für den heutigen
Tag werden über den Haufen geworfen, aber warten
wir mal ab.
Gemütlich schlendern wir um 7.30 Uhr zu Perry’s
hinüber. Auch wenn wir mit dem Kaffee und den
scrambled eggs nicht mehr ganz zufrieden sind, ist
Perry’s einfach unschlagbar. Wir haben mehrere
Versuche, ein annähernd vergleichbares Frühstücksbuffet
zu diesem Preis zu finden, hinter uns und es ist
uns nicht gelungen, eines zu entdecken..
Zurück im Hotel beschließt Michi, fit
genug für den Mau’umae
Trail zu sein.
Dazu müssen wir östlich von Honolulu,
wie schon vorgestern Nachmittag, die Desert Rd.
entlang fahren, in den Maunalani Circle einbiegen,
bis wir linkerhand den Trailhead erreichen. Von
hier weg sind es 3,5 mi bis zum Ka.Inawa’au
Nui Summit bzw. 3,7 mi bis zum Lanipo Summit.
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Um 10.10 Uhr stehen
wir beim Mau’umae Trailhead. |

Mau'umae Trailhead |
| Gleich zu Beginn des Trails befindet
sich linker- und rechterhand ein Maschendrahtzaun,
wir gehen auf einem normalen Waldboden, der
mit Wurzeln durchsetzt ist.
Kaum sind wir ein wenig bergauf gegangen,
haben wir einen wunderschönen Blick zum
Meer und andererseits zu den Ko’olau
Mountains. Dort sehen wir auch schon wieder
die üblichen grau-schwarzen Wolken, aber
das ist normal.
Nun geht es steiler bergauf, wir klettern
über ein paar große Lavafelsen.
Kurz darauf müssen wir ein zwar nicht
sehr langes, aber dafür sehr steiles
Stück hinunter überwinden und jetzt
führt der Trail auf einem ca. 30 cm breiten
Pfad leicht abwärts.
Das Buschwerk, das links und rechts neben
uns wächst, ist zwischen Boden deckend
und 2 m hoch.
Damit es nicht zu eintönig wird, steigen
wir über große Lavafelsen sehr
steil bergab, vor uns ist schon der nächste
Anstieg zu sehen. Stöhn!
Wir pausieren etwas in einem der wenigen
Schattenplätze, die es im Moment gibt
und uns ist heiß, nur noch heiß.
Ein vorsichtiger Blick auf meine Wetteruhr:
41,7° C – im Schatten gemessen 
Um 11.20 Uhr geht es weiter: Wir wandern
– eher klettern – den zweiten
Hügel hinauf und hören, dass uns
anscheinend jemand folgt. Dieser zweite Hügel
ist sehr steil, sehr steinig und bietet durch
die niedrig wachsenden Pflanzen überhaupt
keinen Schutz vor der prallen Sonne, die unbarmherzig
auf uns herunter scheint. |
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ein
Blick zurück |

der
linkerhand befindliche Bergrücken ist
Mau'umae Ridge |

Trail
am Mau'umae Ridge |

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| Die kleine Bank, die wir entdecken, lädt
zum Verschnaufen ein. Mittlerweile hat uns auch
ein Wanderer eingeholt, wir plaudern mit ihm.
Er wurde in Honolulu geboren und diese Strecke
ist für ihn ein sehr schönes work
out. Seinen Angaben nach wird es weiter vorne
etwas buschiger. |

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| Wir gönnen uns nur 10 Minuten Ruhe, schließlich
wollen wir weiter kommen. Zur Abwechslung geht
es wieder mal steil bergab, der Pfad ist nur
ungefähr 30 cm breit, links und rechts
ist der Abgrund. Abstürzen können
wir jedoch nicht so leicht, denn es wachsen
dermaßen viele kleine Sträucher,
die das verhindern würden. |

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Und was sehen wir dann
Logisch: Die nächste Anhöhe wartet
auf uns. Irgendwie kommen wir uns wie auf einer
Hochschaubahn vor.
Wie schaffen wir nur diese nächste Anhöhe
Irgendwie anscheinend, denn um 12.05 Uhr hocke
ich nun hier unten am mit Nadeln übersätem
Boden und wünsche mir, der Rettungshubschrauber
fliegt über mir. Nur: Er tut es nicht.
Aus nicht erklärlichen Gründen fühle
ich mich immer noch schwach und klapprig.
Eine knappe halbe Stunde später erreichen
wir einen kleinen Nadelbaumwald, der Weg ist
30 bis 40 cm breit und schlängelt sich
abwärts hinunter. Gewiss nur deshalb,
damit wir dann wieder hochsteigen dürfen.
Doch eines muss ich sagen: Hier ist es echt
schön
Über uns bilden sich allerdings dunkelgraue
Wolken, es kommt ein wenig Wind auf, der uns
aber kühlt.
Um 13 Uhr stapfen wir durch leicht abfallendes
Gelände, aber gut gehbar, beidseits von
uns wächst niedriger Farn. Dazu kommen
die enorm vielen Bäume mit den gerade
reifen Hawaiian Cherries und sehr viele Sträucher
mit den langen Rispen, an denen orangefarbene
Beeren wachsen, die ich allerdings –
im Gegensatz zu den Hawaiian Cherries, nicht
esse. |
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Kurz darauf sind wir auf einer
kleinen Lichtung, wiederum von Hawaiian Cherry-Bäumen
umgeben und im Augenblick regnet es so stark,
dass wir unter den Bäumen Schutz suchen.
Wir überlegen, was wir tun sollen –
umdrehen oder nicht, aber der Kameltreiber nimmt
mir die Arbeit des Denkens ab. Er meint, ich
brauche meine Schuhe gar nicht zu reinigen,
weil wir jetzt ohnehin gleich durch die Maische
gehen. Auf gut deutsch: Wir gehen weiter. Schon
nach fünf Minuten stehen wir auf einem
kleinen Plateau und haben, von leichtem Regen
begleitet, einen wunderschönen Blick
auf den Diamond Head und Honolulu. |
Nach kurzem Weitergehen finden wir in einem
kleinen Wäldchen eine etwas flachere
Stelle, der Boden ist dick mit Nadeln belegt,
ein ausgezeichneter Platz fürs Picknick.
Im Moment regnet es zwar nicht, aber es ist
sehr feucht. Der Regen ist uns also um 14
Uhr schwer hinterher.
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Wir sind noch gar nicht mit
dem Picknicken fertig, beginnt es zu schütten.
Rasch packen wir unsere Sachen zusammen und
flüchten unter dichter wachsende Bäume.
Doch diesmal hört der Regen nicht auf.
Wir ziehen unsere Regencaps über und
machen uns auf den Rückweg. Wie nass
ist jetzt eigentlich jener junge Mann, der
heute Vormittag mit uns geplaudert hat 
Um 15.50 Uhr sind wir schon recht weit gegangen,
haben nur mehr wenige Anhöhen vor uns.
Es regnet nur mehr wenig und unten im Tal
liegt ein wunderschöner großer
Regenbogen.
Die Berge hinter uns sind nahezu wolkenfrei
und erscheinen in einem beeindruckenden Licht. |
| Kurz bevor wir das Auto erreichen sehen wir,
dass die Blüten der Sukkulenten mittlerweile
aufgegangen sind. Es sind dieselben Sukkulenten
wie am Koko Head. |
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Beim Auto angekommen ein kurzer
Blick auf die Uhr: 16.15 Uhr, 30.8° C.
Die höchste heute gemessene Temperatur
war 41,7° C. Jetzt aber ab ins Hotel,
wir sind hundemüde und wollen endlich
einmal früher schlafen gehen.
Also raus aus den Schuhen, Sandalen angezogen
– und Michi trödelt, wie des öfteren.
Zu seiner Beschleunigung stelle ich ihm schon
mal die Sandalen bereit, dann braucht er nur
noch hinein zu schlüpfen. Er kramt irgendetwas
am Beifahrersitz und plötzlich ruft er
„Mossies, Mossies“ – springt
ins Auto, Tür zu, Aircondition an 
Uihhh, dann werden mich schon ein paar dieser
Tierchen gebissen haben
Was soll’s, Pech gehabt, ich ziehe mich
jedenfalls weiter um.
So, fertig, ich steige ins Auge und gebe
Gas. Na klar
Was ist um diese Uhrzeit
Richtig
Rush hour in Honolulu. Dazu kommt, dass noch
eine von uns bevorzugte Linksabbiegespur geconed
ist, wir müssen also einen kleinen Umweg
fahren. Trotzdem sind wir um 18 Uhr im Hotel.
Ich steige aus dem Auto und plötzlich
gibt es mir einen Stich – mitten durchs
Herz. Oder ist es mitten durchs Hirn
Eher möglich. Jedenfalls denke ich an
Michis Sandalen, die ich ihm zum Wechseln
bereits auf die Straße, wo wir vor dem
Trailhead parkten, gestellt habe. Na klasse
Trotz des Schrecks lache ich hellauf, wodurch
ich in Erklärungsnot gelange.
Irgendwie habe ich den Eindruck, Michi erfasst
das Ganze gar nicht richtig. Er sieht mich
mit müden Augen an und fragt „Was
willst du tun? Zurück fahren?“.
Ich antworte mit einem knappen „Ja“,
das muss genügen. Also das Ganze wieder
retour. So ein Mist
Wir wollten doch mal früher ins Bett
und wenn ich daran denke, wie lange allein
das Foto Überspielen auf die externe
Festplatte dauert… |
Um 17.30 Uhr biegen wir um die letzte Kurve
zum Trailhead. Was sehen wir? Michis Sandalen,
sie stehen noch genauso gerade da, wie ich sie
vor mehr als einer Stunde hingestellt habe.
Glück gehabt  |
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Für den Rückweg wählen
wir diesmal einen anderen, der Umweg soll
nicht ganz so groß werden. Michi sagt
mir an: links – rechts, rechts –
links usw., usw. Gerade bin ich beim Rechtsabbiegen,
werde aber beim Weiterfahren gehindert, denn
eine Fußgängerin betritt den Zebrastreifen.
Also warten wir gemütlich ab, bis ich
weiterfahren kann.
Doch daraus wird so schnell nichts. Ich stehe
immer noch, den Fuß auf der Bremse,
plötzlich „rumpppppssssss“,
unser Auto wird geschüttelt. Ok, der
Fall ist klar, es ist uns ein anderes Auto
reingefahren
Ich riskiere einen Blick in den Rückspiegel:
Das ist jenes Auto von FedEx, der ohnehin
schon eine Zeit lang hinter uns ist. Wo her
er nur hingeguckt
Auf unseren Jeep jedenfalls nicht. |
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Michi steigt aus, ich ebenfalls, aber ich
kralle mir sofort den Fotoapparat, um umgehend
Fotos zu schießen. Der Schaden an unserem
Jeep ist geringfügig, die Halterung vom
Nummernschild ist im Eimer, das Blech ein klein
wenig eingedrückt, mehr anscheinend nicht. |
| Nach diesen Fotos kommt das FedEx-Auto
inklusive des Fahrers dran, der spätestens
jetzt weiß, dass er keine Chance zum Entrinnen
hat. Er entschuldigt sich etliche Male, erklärt,
wie es zum Aufprall kam. Er sah angeblich
die Fußgängerin nicht, wusste nicht,
weshalb ich stehen blieb und meinte, ich würde
eh gleich weiterfahren.
Michi tauscht mit ihm die Daten aus, Unterschriften
werden gegengleich gegeben und da unser früheres
Zubett-Gehen ohnehin schon im Eimer ist, fahren
wir zum Airport - zu Alamo.
Dort angekommen und vom geringfügigen
Schaden berichtet, wird uns sofort ein anderes
Auto angeboten, das wir aber ablehnen. Wir
brauchen kein neues Auto, wir möchten
nur den „Unfall“ berichten.
Selbiges funktioniert dann per Telefon und
im Handumdrehen sind wir wieder weg –
unterwegs in der immer noch anhaltenden rush
hour in Honolulu.
Wieder einmal kommen wir im Hotel an und
nun hat Michi die Idee des Abends: Wir essen
in dem Fastfoodladen genau gegenüber
des Hotels eine Kleinigkeit.
Wir bestellen uns Chicken Katsu, aber nur
eine Portion für uns zwei und selbst
das können wir nicht aufessen.
Spät, sehr spät, gehe ich ins Bett,
Michi ein wenig früher. Soviel zum Thema
„heute einmal etwas früher schlafen
gehen“. |
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