Dienstag, 18. 9. 2007:
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Pünktlich um 6.30 Uhr bimmelt
der Wecker. Heute stört er mich nicht, ich
hüpfe aus dem Bett und verschwinde in die Küche,
um unser Frühstück zu richten.
Michi hält es auch nicht mehr im Bett aus und
kurz darauf genießen wir unser Breakfast.
Soll ich einen Blick nach draußen wagen?
Hmmm, dem Blick komme ich sowieso nicht aus, daher
Vorhang zur Seite, beim Octopus Tree vorbei geguckt
und was sehe ich? Tief schwarze Wolken, es sieht
noch um einiges schlimmer als gestern früh
aus.
Schon um 8 Uhr fahren wir vom Hotel ab, Richtung
Koke’e State Park natürlich. |
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Ich düse, was das Zeug hält
und um 9.30 Uhr erreichen wir jene Stelle, an der
wir auf die 4WD-Piste wechseln müssen, die
sich Halemanu Rd. nennt. Die Piste ist in einem
recht guten Zustand und wäre bei vorsichtiger
Fahrweise auch mit einem 2WD befahrbar. Egal, mit
welchem Mietwagen: Man verliert den Versicherungsschutz,
darüber muss man sich im Klaren sein. |
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| Nach nicht mal einer Meile stellen wir
das Auto ab, legen unsere ziemlich schweren Rucksäcke
an, Michi bewaffnet sich mit dem Manfrotto und nun
steht wandern am Programm. |
| Genauer gesagt wollen wir den Cliff Trail, anschließend
den Canyon Trail und zum Abschluss den Halemanu-Koke’e
Trail gehen. |
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Wettermäßig sieht es ganz gut aus, auf
dem blauen Himmel sind nur ganz wenige weiße
Wölkchen zu sehen. Wir wandern also fröhlich
dahin und um 10.30 Uhr entdecken wir linkerhand
die Abzweigung zum Black Pipe Trail, wir gehen jedoch
rechts weiter. |
Es ist ein schmaler Pfad, der beständig
abwärts führt. Umgeben sind wir von einem
wunderschönen Laubwald, der zu einem Großteil
aus Koas besteht. Der Boden ist mit Millionen von
sichelartigen vertrockneten Blättern bedeckt. |
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Bald darauf gehen wir auf nackter
roter Erde. Der Cliff Trail verdient sich seinen
Namen sehr bald zu Recht, wir genießen herrliche
Aus- und Einblicke in den Waimea Canyon, diesmal
von der anderen Seite, wie wir sie, vom Boden aus,
noch nie sahen. Es ist fantastisch! |
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| Im Anschluss daran geht es bergab, wodurch
einem das Gehen durch im Boden befestigte Rundhölzer
erleichtert wird. |

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| Noch rasch ein Blick in den Waimea Canyon, ehe es
weiter geht. |
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| Nach einem ziemlichen Abstieg sind wir
beim ersten Waipo’o Fall. Nun, er ist nichts
Besonderes, er mündet in einen Pool, der aber
fürs Schwimmen nicht geeignet ist, die Wassertiefe
ist sehr gering. |
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Wir verkneifen uns eine Abkühlung und gehen
zum weiter unten liegenden zweiten Pool, wobei dieser
Abstieg schon echt schwierig ist. Ich muss meinen
Rucksack ablegen, sonst könnte ich die Felsblöcke
abwärts nicht bewältigen. Bei den zweiten
Falls, die ungefähr 1,5 m hoch sind, stellen
wir fest: Diese Anstrengung lohnt sich nicht, das
kann man getrost vergessen, außer…. |
Tja, außer man möchte den
Canyon Trail gehen…
Welche Infos habe ich eigentlich gesammelt? Achja,
man muss den zweiten Pool überqueren, auf der
anderen Seite führt der Trail weiter. Seeehr
witzig! Der „Pool“ der zweiten Falls
ist so gut wie gar nicht vorhanden, d. h., wir sehen
locker auf die andere Seite und dort sehen wir alles
Mögliche, nur keinen Trail, nicht mal eine
Andeutung davon.
Doch plötzlich sehen wir etwas Anderes: Nämlich
genau jenen Mann, der uns gestern im Koke’e
Restaurant gegenüber saß! Wieder mit
der „Bibel“ in der Hand, in der er liest.
Er fragt uns, ob wir den Canyon Trail suchen, was
wir bejahen und seine spontane Antwort „it’s
not here, it’s just above“.
Aha!! Also doch nicht bei den zweiten Falls, sondern
bei den oberen. Nichts wie hinauf. Wiederum eine
Kletterei, aber langsam bekommen wir die Felsklötze
in den Griff. Doch wie soll hier der Trail weiter
gehen? Ans andere Ufer kommen wir leicht, indem
wir über die großen Steine, die im Pool
liegen, gehen, aber wo ist hier der Trail? Hier
ist alles dichtest bewachsen, da kann kein Mensch
durch! Verflixt!
Wir gehen zurück, machen aber am Cliff Trail
Halt und studieren zum ungefähr 20.xten Mal
die Karte, lesen zum 20.xten Mal nach. Es MUSS über
den unteren Pool weiter gehen! Also das Ganze wieder
retour, auch wieder hinunter kraxeln – Übung
macht den Meister! Schon bald stehen wir wieder
vor den unteren Falls.
Ein Pärchen kommt gerade von der anderen Seite
zurück, mit einem Reiseführer –
nicht der „Bibel“ – in der Hand.
Sie fragen uns, wo der Canyon Trail geht. Tja, wenn
wir das wüssten, wären wir Kaiser. Wir
„wissen“ nur, dass es über die
zweiten Falls gehen muss, that’s all.
Das Pärchen, die Franzosen sind, drehen schnellstens
um und versuchen noch mal ihr Glück. Schon
nach kurzer Zeit rufen sie zurück „there’s
no trail“. In unseren Köpfen sind viele
Fragezeichen, aber die lösen sich schnell auf,
denn die Franzosen rufen kurz darauf hocherfreut
„we’ve found the trail!“ –
und weg waren sie. Wie rufen noch ein „thanks“
hinterher, ob sie das noch hören? Wir wissen
es nicht, machen uns aber wieder mal auf den Weg
über das Rinnsal.
Hier soll ein Trail sein? Sehr interessant…
Aber wenn die Franzosen irgendetwas als Trail identifiziert
haben, wollen wir das zumindest finden und begutachten. |
| Wir stapfen durch hohes Gras, ohne
irgendeine Orientierung und nach etlichen Metern,
nachdem das Gras niedriger wird, lässt sich in
der Tat etwas Trailähnliches ausmachen. Optimistisch
folgen wir den Spuren und der Trail wird mehr und
mehr deutlich. Beschriftung oder irgendetwas Ähnliches
gibt es jedoch überhaupt nicht, wir wandern im
„Nirgendwo“. |

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| Dieses Nirgendwo ist jedoch sehr schön.
Es geht einerseits durch Laubwald, andererseits gehen
wir mitten durch abgeblühte Ginger-Areale, dann
durch niedrig wachsenden Farn, durch einen schmalen
Graben - es ist wirklich sehr abwechslungsreich. Dumm
ist nur, dass es jetzt ganz fein zu nieseln beginnt,
von Osten her weht ein starker Wind, der bringt und
wahrscheinlich die Tropfen. |
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Es ist mittlerweile 13.30 Uhr und wir
befinden uns auf einer Lichtung, mit einem fantastischen
Blick in den Canyon. Der feine Sprühregen vermiest
uns aber das Fotografieren.
Wettermäßig sieht es im Osten dunkelschwarz
aus. Hoffentlich kommt das Wetter nicht zu uns! |
| Auf dieser Lichtung steht auf einer Kuppe ein Picknicktisch.
Nein danke! Bei diesem Wetter nehmen wir vom Gebrauch
Abstand. |
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| Der weitere Trail führt wiederum
durch einen Laubwald, teilweise ist der Trail ca.
1,5 m breit, dann wieder nur 30 cm. Und das Schönste:
Der Sprühregen ist vorbei! |
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| Einen über den Trail gestürzten
Baumstamm funktionieren wir zum Picknicktisch um,
lassen uns häuslich nieder und genießen
den Inhalt einer Fischkonserve. Den Vitaminstoß
per Obst heben wir uns für später auf. Ob
das so eine gute Idee ist? Vielleicht würden
wir den weiteren Trailverlauf mit etwas mehr Vitaminen
leichter finden? Oftmals ist es mehr als ein Rätselraten,
wo der Trail weiter gehen könnte, Beschriftungen
gibt es nach wie vor keine. Wir haben zwar unser
GPS mit, aber mit dem können wir später
nur noch verfolgen, wo wir uns eventuell verlaufen
haben. |
Um 14.20 Uhr erreichen wir eine weitere
Lichtung, es dürfte sich dabei um den Camping
Platz handeln. Ein Schild besagt: Nach links Kumuwela
Trail, Waininiua Trail, Ditch Trail, Mohihi Rd.
Wir sehen uns die Rückseite des Schildes an.
Hier steht: Canyon Trail 2,0 mi.
Es nieselt wiederum ganz leicht. Unmittelbar hinter
dem Campground beginnt die 4WD-Piste, die aber im
Moment auch mit einem 2WD befahrbar wäre.
Im Handumdrehen hört der Nieselregen auf, wir
wandern auf der Allradpiste bei Sonnenschein und
ein wenig Wolken weiter.
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| Um 14.35 Uhr – unerwartet früh –
sehen wir vor uns das Schild „Kumuwela Trail
0,8 mi“. Hier führt ein sehr schmaler Trail
hinein, der allerdings gerade mitten ins Dickicht
führt und wir noch nicht wissen, wie es weiter
geht. |
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Jetzt endlich – nach langem –
ist Michi bereit, das Manfrotto an mich abzugeben,
dafür den Fotoapparat zu übernehmen.
Kaum ist das geschehen - es sind noch keine fünf
Minuten vergangen - kommt Michi vom schmalen Pfad
ab, bei dem es linkerhand steil nach unten geht. Unser
Glück ist, dass an dieser Stelle viele niedrige
Büsche wachsen. Michi kugelt zwar zwei Mal um
sich selbst, ich habe keinerlei Chance, ihn zu halten,
weil alles so schnell geht, aber er fängt sich
in den Büschen, den Fotoapparat hoch in die Luft
gehalten – als gäbe es jetzt gerade nichts
Wichtigeres zu tun.
Aber gut, er ist ja immer noch – zumindest bis
jetzt – der Meinung gewesen, IHM kann ausrutschen
nicht passieren, er sei ja eine Gemse. Vonwegen, es
hat sich ausgegemst!!! Glücklicherweise bekommt
er nur zahlreiche Schrammen ab, aber keine sonstigen
Verletzungen. Das würde uns fehlen! Hier in
diesem Gebiet!
Wir wandern durch den tropischen Regenwald weiter,
suchen manchmal den Trail, erfreuen uns an all den
blühenden Pflanzen rings um uns – es
ist einfach traumhaft schön hier!
Und noch etwas: Hier scheint kaum jemand zu gehen,
sonst wäre der Trail besser ausgetreten.
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| Um 15.20 Uhr müssen wir wiederum unsere Rucksäcke
und was wir sonst noch tragen ablegen. Ein umgestürzter
Baum und dessen Äste versperren uns den weiteren
Weg. Teilweise krabbeln wir unter den Stämmen
durch, dann rutschen wir wieder über höher
liegende Äste drüber, hieven unsere Rucksäcke
& Co.herüber und dann geht es wieder halbwegs
normal weiter. Linkerhand hören wir einen Wasserfall
plätschern, aber wir bekommen ihn nicht zu Gesicht. |
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Da der Regenwald vielfältig
ist, gehen wir nun durch einen Gingerwald. Durch
den vorhergehenden Regen ist er allerdings so nass,
dass ich das Manfrotto hoch in die Luft halte, um
es – und den darauf montierten Camcorder –
vor der Feuchtigkeit zu schützen. Ein Bild
für Götter! Und so schlagen wir uns durch
den Regenwald, oftmals nur sehr wenig Ahnung, ob
wir überhaupt auf dem richtigen Weg sind.
Nach einiger Zeit des Weiterwanderns sehen wir
linkerhand ein Haus und kurz darauf ein Schild,
das das Ende des Kumuwela Trails besagt. Wir gehen
nun auf einer Fahrpiste weiter, die eigentlich
auch für einen 2WD befahrbar wäre. Ab
und zu nieselt es ganz fein. Wenn wir heute nicht
nass werden…
So, aber jetzt, um 16.15 Uhr, reicht es uns.
Wir werfen unser Regencaps über, die wir
aber nach 15 Minuten wieder ablegen können.
In der Nähe hören wir einen Rasenmäher.
Kann das sein? Ja, es ist Tatsache. Wir begegnen
einem Herrn, der sein Miniatur-Rasenstückchen
mühevoll mäht, wobei er den Balkenmäher
zuvor vom Pick-Up abladen und dann wieder aufladen
muss. Zahlt sich das für die ca. 50 m²
wirklich aus? Naja, er muss es wissen, sonst täte
er es nicht.
Kurz darauf legen wir wiederum unsere Regencaps
an und jetzt schüttet es ganz ordentlich,
diesmal will der Regen einfach nicht mehr aufhören.
Das Gras, das rechter- und linkerhand neben uns
wächst, sorgt dafür, dass auch unsere
Unterschenkel gewaschen und die Schuhe mit Wasser
gefüllt werden.
Plötzlich, um 17 Uhr, stehen wir ziemlich
unerwartet auf der Halemanu – Koke'e Trail.
Zwar regnet es jetzt nicht mehr, aber trotzdem
lassen wir unsere Regencaps an. Linkerhand der
Fahrpiste und auch rechts schräg gegenüber
stehen Holzhäuser, im linken Haus ist sogar
jemand anwesend. In dessen Grünanlage ist
ein Gemüsebeet angelegt, witziger Weise sogar
mit Frühbeetvorrichtung.
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| Wir gehen nun auf diesem Halemanu-Koke'e
Trail in Richtung unseres Autos. Auch wenn wir heute
Vormittag noch die Hoffnung hatten, den Black Pipe
Trail sozusagen mitnehmen zu können, lassen wir
diesen Trail nun bleiben. Die Zeit reicht nicht mehr
und selbst wenn – das Wetter ist dafür
nicht geeignet. Um 17.30 Uhr sind wir beim Auto,
das unversehrt ist. Seitdem bei unserem Jeep auf
Kaua’i im letzten Hawai'i - Urlaub 2005/2006
ein Plastikfenster aufgeschlitzt wurde, haben wir
ein leicht ungutes Gefühl.
Im Moment regnet es nicht, wir können uns
trockenen Fußes umziehen und fahren Richtung
Kapa’a.
Für den Weg zum Süden wähle ich
die 550. Die verbotene Insel Ni’ihau sowie
die kleine Insel Lehua sind zu sehen.
Beim Kukui Grove SC in Lihue stoppen wir. Ich bin
todmüde und wünsche mir einen Kaffee.
Sämtliche Geschäfte sind, obwohl es noch
nicht mal 20 Uhr ist, geschlossen, aber wenigstens
Starbucks hat geöffnet – und mehr will
ich ja nicht.
Im Hotel angekommen, sind erst mal ganz wichtige
Dinge, wie Akkus laden, Reisebericht schreiben usw.
an der Reihe. Zwischendurch, während sich die
Fotos auf die externe Festplatte kopieren, essen
wir eine Kleinigkeit.
Michi wirft um 22.30 Uhr das Handtuch und verschwindet
ins Schlafzimmer. Ich folge ihm um 23 Uhr, länger
halte ich heute nicht durch, obwohl ich mit dem
Reisebericht-Schreiben ganz schön im Hintertreffen
bin. Noch ehe ich einschlafe, höre ich draußen
wolkenbruchartigen Regen. Dieses Geräusch höre
ich mir jedoch nicht lange an, ziehe mir die Decke
über den Kopf und bin im Handumdrehen im Land
der Träume. |
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