Ok, ich gebe den Ball an Michi ab,
er hat bis jetzt für die Weiterfahrt plädiert
und nun darf er auch an dieser Stelle entscheiden,
was wir tun. Er überlegt hin, er überlegt
her, grübel, grübel und studier…
Ich hülle mich in Schweigen und warte seine
Entscheidung ab.
Die Entscheidung fällt jedoch nicht Michi,
sondern Petrus. Er öffnet just in diesem Moment
eine Wolke und Regen prasselt auf uns herab. Damit
ist der Trail für uns – zumindest für
heute – nicht machbar. Thanks
Schlammschlachten auf Trails sind nicht so mein
Ding (übrigens liebt das Michi auch nicht)
und der erste Teil des Trails wird mit „äußerst
schwierig“ angegeben.
Gut, also retour – so denke ich zumindest
im Moment noch, aber ich mache, wie manchmal, die
Rechnung ohne den Wirt.
Michi disponiert auf die Schnelle um und entscheidet,
dass wir statt des Kohua Ridge Trails den Ditch
Trail gehen.
Wäre ja in Ordnung, aber der Trailhead des
Ditch Trails liegt nicht viel weiter hinter uns,
d. h., wettermäßig ist es dort genauso.
Mit meinen neuerlichen Bedenken ernte ich ein neuerliches
„was du immer hast“ 
Ohne meinen Anwalt sage ich jetzt gar nichts mehr
Also fahren wir zum Trailhead des Ditch Trails.
Die hölzerne Markierung vom Januar 2006 gibt
es nicht mehr, der Trail trägt im Moment keinerlei
Markierung. Die einzige „Markierung“
ist ein ca. 2,5 m langes, schmales Metallteil, das
im Boden steckt, mehr nicht.
Sollte jemand den Ditch Trail laufen wollen, dann
die Mohihi Rd. entlang fahren. Nach einiger Zeit
überquert man eine kleine, hölzerne, unscheinbare
Brücke, ohne Geländer, nur einspurig befahrbar.
Nicht sehr lange nach dieser Brücke kommt man
zur ersten (von zwei) „Eisenbrücken“,
d. h., die Geländer sind aus Eisenrohren und
daher sind diese Brücken leicht erkennbar.
Diese Brücken sind ebenfalls nur einspurig
befahrbar.
Wenn man diese erste Brücke erreicht hat,
ist man für den Ditch Trail allerdings zu weit
gefahren. Daher umdrehen und ca. 200 m zurück
fahren, dann sieht man linkerhand das vorhin beschriebene
Metallteil, ein ca. 50 cm breiter Trail führt
abwärts – das ist der Ditch Trail.
So, aber nun weiter bei unserer Fahrt.
Wir stellen das Auto in unmittelbarer Nähe
der ersten „Eisenbrücke“ ab und
ziehen unsere Wanderschuhe an. Mir ist das total
zuwider, zumal der Regen wirklich am Himmel steht.
Wir sind noch nicht mal mit dem Anziehen der Schuhe
fertig, öffnet Petrus wiederum seine Schleusen
und diesmal richtig! Es schüttet wie aus Eimern!!
Michi flüchtet ins Auto – warum diese
Eile
Es könnte ja zum Regnen aufhören 
Nein, im Ernst, mir wird es auch zuviel und ich
ziehe das trockene Wageninnere ebenfalls vor.
Jetzt ist der Fall anscheinend geklärt, denn
Michi verlautet „anscheinend wird es heute
nichts mit einem Trail“.
Ach nee… 
Nix wie raus aus dem feuchtesten Gebiet von ganz
Kaua’i! Dieses Gebiet kann man heute für
Wanderungen vergessen.
Wir fahren nach Waimea und gehen in die „Barfoot
Bar“ und bestellen ein „Kalua pork with
rice“. Reis für Michi, Pork für
mich – gerechte Teilung ?
Anschließend fahren wir nach Lihue zum Borders.
Wenn ich nur eine Jacke dabei hätte
Beim Borders wird man wieder tief gekühlt
Wahrscheinlich gibt es deswegen einen direkten Zugang
zum Starbucks, wo man sich heiße – oder
bei Bedarf auch eiskalte – Getränke kaufen
darf.
Und der Borders ist etwas Schreckliches
Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Borders
ohne Reiseführer o. ä. verlassen zu haben,
während Michi nie ohne Hawai’i-Musik-CD
geht 
Obwohl ich mich beherrsche, sind anschließend
zwei ganz neue Maui-Trailführer mein Eigentum,
Michi hat unsere ohnehin schon stattliche Hawai’i-CD-Sammlung
um weitere zwei CDs erweitert.
Hmmm, jetzt ist es 16.00 Uhr, würden wir beim
Vorbeifahren im Hotel unsere Rucksäcke in die
Wohnung geben, könnten wir anschließend
noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang am Ke’e
Beach sein.
Doch wie soll ich diese fast absurde Idee Michi
unterjubeln 
Mutig voran schreite ich zur Tat und plaudere aus,
was mir eben in den Sinn kam.
Während Michi „ja aber…“
und „geht sich das zeitlich überhaupt
aus?“ sowie „was ist, wenn heute kein
Sonnenuntergang ist?“ an Bedenken von sich
gibt, biege ich beim Hotel ein, steige aus und nun
weiß Michi, dass jetzt ausnahmsweise mal jeder
Widerspruch sinnlos ist 
Und überhaupt? Weshalb soll es heute keinen
Sonnenuntergang geben
Geht denn auf einmal die Sonne nicht jeden Tag unter
Ja, ich weiß, jetzt werde ich gemein 
Im Handumdrehen befinden wir uns auf dem Kuhio
Hwy. (56) Richtung Norden und belegen um 17.30 Uhr
den letzten Parkplatz am Ke’e Beach.
Himmel! Ist der Meeresspiegel heute hoch! Anscheinend
ist Flut. Normalerweise gehen wir linkerhand auf
den Lavasteinen so weit, wie man kann. Doch diese
Lavasteine liegen heute im Wasser. Mist 
Ich entdecke einen schmalen Weg, den ich bisher
nicht kannte, von dem ich auch nie las. Obwohl der
Kalalau Trail vom Ke’e Beach weg geht, ist
es dieser Trail definitiv nicht, der Trailhead des
Kalalau Trails ist ein paar Meter zuvor und den
kennen wir.
Also muss dieser neu entdeckte Weg dafür gedacht
sein, um den Sonnenuntergang (wenn denn die Sonne
unter geht )
noch besser sehen zu können. Aber noch besser
als direkt vom Ke’e Beach aus
Kann ja eigentlich nicht sein.
Egal, ich gehe voran, Michi fragt mich, weshalb
ich so zielsicher gehe und woher ich weiß,
wohin der Weg führt.
Ausnahmsweise weiß ich mal gar nichts, ich
weiß nur, dass wir leicht bergauf gehen und
die Gehrichtung für Sonnenuntergangsfotos geeignet
sein müsste.
Und tatsächlich
Nach ca. 10 Minuten sind wir am Ziel
Unter uns der Ke’e Beach, vor uns wachsen
alle möglichen tropischen Bäume, ein richtiger
Regenwald
Ein klein wenig von diesen Motiven im Vordergrund
eines Fotos machen sich natürlich besonders
gut 
Während Michi filmt, quäle ich den Fotoapparat
und welch ein Wunder: Die Sonne geht tatsächlich
unter
Ach, ist das schön 
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