Sonntag, 23. 9. 07:

Wie könnte es anders sein: Der Wecker läutet um 6.30 Uhr. Wir setzen unsere Beratschlagung der letzten Nacht wegen des Ditch Trails fort und kommen zum Ergebnis, wir wollen nicht diesen, sondern den Kohua Ridge Trail versuchen, obwohl das Wetter vermutlich nicht mitspielen wird. Der Kohua Ridge Trail ist auf vielen Karten noch unter dem alten Namen „Maile Flat Trail“ eingezeichnet.

Um 9 Uhr fahren wir vom Hotel ab, es regnet, wie schön

In Waimea tanken wir und auf der Koke’e Rd. fällt Michi plötzlich ein, dass er sich nicht sicher ist, den Tankdeckel geschlossen zu haben. Ich gucke in den Rückspiegel – Benzin spritzt keines heraus, aber da sollte ja noch eine Dichtung sein, die das verhindert. Ok, ich stoppe, steige aus und was sehe ich Den Tankdeckel, der an seiner Plastikbefestigung baumelt

Je mehr wir uns dem Koke’e State Park nähern, umso schlechter wird das Wetter. Unten in Waimea hatte es wenigstens noch Sonnenschein.

Trotzdem zweigen wir in die Kumuwela Rd. ein. Wir könnten zwar, wie unlängst, in die Mohihi Rd. einbiegen, aber der erste Teil der Mohihi Rd. ist in einem wirklich schlimmen Zustand, dafür wollen wir heute keine Zeit investieren.

Während der Fahrt riskiere ich immer wieder einen Blick zum Himmel, der sich mehr und mehr verdüstert. Meine Bedenken, dass der Trail ins Wasser fällt, werden von Michi mit den Worten „was du immer hast“ abgetan

Die Wolkendecke ist bereits dicht und es sind dunkelgraue Wolken sichtbar. Am liebsten würde ich umdrehen, das macht ja keinen Sinn! Selbst wenn wir den Trail ein Stück laufen können und dann umkehren, weil es zu stark regnet, darf ich dann den Jeep auf der schmierseifenartigen Piste von oben bis unten verschmutzen. Wäre kein Problem, es gibt bekannterweise Waschanlagen, aber wir wissen, dass unser Jeep nicht ganz dicht ist und die braune Kaua’i Soße brauche ich nun wirklich nicht im Wageninneren! Aber nein, meine Bedenken sind für die Katz’ – und ich fahre weiter…

So lange, bis uns der Kawaiko’i Stream einen Strich durch die Rechnung macht. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre diese erste Durchfahrt kein Problem, obwohl die Strömung schon ganz schön stark ist. Aber was ist, wenn der Regen tatsächlich einsetzt und der Fluss ansteigt Dann sitzen wir fest.

Ich steige aus, will ja schließlich kein Spielverderber sein, sehe mir die Lage ganz genau an. Ja, jetzt wäre es eine leichte Übung, in Australien habe ich schon ganz andere Flüsse überquert, aber was ist wenn

Ok, ich gebe den Ball an Michi ab, er hat bis jetzt für die Weiterfahrt plädiert und nun darf er auch an dieser Stelle entscheiden, was wir tun. Er überlegt hin, er überlegt her, grübel, grübel und studier… Ich hülle mich in Schweigen und warte seine Entscheidung ab.

Die Entscheidung fällt jedoch nicht Michi, sondern Petrus. Er öffnet just in diesem Moment eine Wolke und Regen prasselt auf uns herab. Damit ist der Trail für uns – zumindest für heute – nicht machbar. Thanks Schlammschlachten auf Trails sind nicht so mein Ding (übrigens liebt das Michi auch nicht) und der erste Teil des Trails wird mit „äußerst schwierig“ angegeben.

Gut, also retour – so denke ich zumindest im Moment noch, aber ich mache, wie manchmal, die Rechnung ohne den Wirt.
Michi disponiert auf die Schnelle um und entscheidet, dass wir statt des Kohua Ridge Trails den Ditch Trail gehen.
Wäre ja in Ordnung, aber der Trailhead des Ditch Trails liegt nicht viel weiter hinter uns, d. h., wettermäßig ist es dort genauso. Mit meinen neuerlichen Bedenken ernte ich ein neuerliches „was du immer hast“

Ohne meinen Anwalt sage ich jetzt gar nichts mehr

Also fahren wir zum Trailhead des Ditch Trails. Die hölzerne Markierung vom Januar 2006 gibt es nicht mehr, der Trail trägt im Moment keinerlei Markierung. Die einzige „Markierung“ ist ein ca. 2,5 m langes, schmales Metallteil, das im Boden steckt, mehr nicht.

Sollte jemand den Ditch Trail laufen wollen, dann die Mohihi Rd. entlang fahren. Nach einiger Zeit überquert man eine kleine, hölzerne, unscheinbare Brücke, ohne Geländer, nur einspurig befahrbar. Nicht sehr lange nach dieser Brücke kommt man zur ersten (von zwei) „Eisenbrücken“, d. h., die Geländer sind aus Eisenrohren und daher sind diese Brücken leicht erkennbar. Diese Brücken sind ebenfalls nur einspurig befahrbar.

Wenn man diese erste Brücke erreicht hat, ist man für den Ditch Trail allerdings zu weit gefahren. Daher umdrehen und ca. 200 m zurück fahren, dann sieht man linkerhand das vorhin beschriebene Metallteil, ein ca. 50 cm breiter Trail führt abwärts – das ist der Ditch Trail.

So, aber nun weiter bei unserer Fahrt.
Wir stellen das Auto in unmittelbarer Nähe der ersten „Eisenbrücke“ ab und ziehen unsere Wanderschuhe an. Mir ist das total zuwider, zumal der Regen wirklich am Himmel steht.
Wir sind noch nicht mal mit dem Anziehen der Schuhe fertig, öffnet Petrus wiederum seine Schleusen und diesmal richtig! Es schüttet wie aus Eimern!! Michi flüchtet ins Auto – warum diese Eile Es könnte ja zum Regnen aufhören
Nein, im Ernst, mir wird es auch zuviel und ich ziehe das trockene Wageninnere ebenfalls vor.

Jetzt ist der Fall anscheinend geklärt, denn Michi verlautet „anscheinend wird es heute nichts mit einem Trail“.
Ach nee…

Nix wie raus aus dem feuchtesten Gebiet von ganz Kaua’i! Dieses Gebiet kann man heute für Wanderungen vergessen.

Wir fahren nach Waimea und gehen in die „Barfoot Bar“ und bestellen ein „Kalua pork with rice“. Reis für Michi, Pork für mich – gerechte Teilung ?

Anschließend fahren wir nach Lihue zum Borders. Wenn ich nur eine Jacke dabei hätte Beim Borders wird man wieder tief gekühlt Wahrscheinlich gibt es deswegen einen direkten Zugang zum Starbucks, wo man sich heiße – oder bei Bedarf auch eiskalte – Getränke kaufen darf.

Und der Borders ist etwas Schreckliches Ich kann mich nicht erinnern, jemals einen Borders ohne Reiseführer o. ä. verlassen zu haben, während Michi nie ohne Hawai’i-Musik-CD geht

Obwohl ich mich beherrsche, sind anschließend zwei ganz neue Maui-Trailführer mein Eigentum, Michi hat unsere ohnehin schon stattliche Hawai’i-CD-Sammlung um weitere zwei CDs erweitert.

Hmmm, jetzt ist es 16.00 Uhr, würden wir beim Vorbeifahren im Hotel unsere Rucksäcke in die Wohnung geben, könnten wir anschließend noch rechtzeitig zum Sonnenuntergang am Ke’e Beach sein.
Doch wie soll ich diese fast absurde Idee Michi unterjubeln

Mutig voran schreite ich zur Tat und plaudere aus, was mir eben in den Sinn kam.
Während Michi „ja aber…“ und „geht sich das zeitlich überhaupt aus?“ sowie „was ist, wenn heute kein Sonnenuntergang ist?“ an Bedenken von sich gibt, biege ich beim Hotel ein, steige aus und nun weiß Michi, dass jetzt ausnahmsweise mal jeder Widerspruch sinnlos ist
Und überhaupt? Weshalb soll es heute keinen Sonnenuntergang geben Geht denn auf einmal die Sonne nicht jeden Tag unter Ja, ich weiß, jetzt werde ich gemein

Im Handumdrehen befinden wir uns auf dem Kuhio Hwy. (56) Richtung Norden und belegen um 17.30 Uhr den letzten Parkplatz am Ke’e Beach.

Himmel! Ist der Meeresspiegel heute hoch! Anscheinend ist Flut. Normalerweise gehen wir linkerhand auf den Lavasteinen so weit, wie man kann. Doch diese Lavasteine liegen heute im Wasser. Mist

Ich entdecke einen schmalen Weg, den ich bisher nicht kannte, von dem ich auch nie las. Obwohl der Kalalau Trail vom Ke’e Beach weg geht, ist es dieser Trail definitiv nicht, der Trailhead des Kalalau Trails ist ein paar Meter zuvor und den kennen wir.
Also muss dieser neu entdeckte Weg dafür gedacht sein, um den Sonnenuntergang (wenn denn die Sonne unter geht ) noch besser sehen zu können. Aber noch besser als direkt vom Ke’e Beach aus Kann ja eigentlich nicht sein.

Egal, ich gehe voran, Michi fragt mich, weshalb ich so zielsicher gehe und woher ich weiß, wohin der Weg führt.
Ausnahmsweise weiß ich mal gar nichts, ich weiß nur, dass wir leicht bergauf gehen und die Gehrichtung für Sonnenuntergangsfotos geeignet sein müsste.

Und tatsächlich Nach ca. 10 Minuten sind wir am Ziel Unter uns der Ke’e Beach, vor uns wachsen alle möglichen tropischen Bäume, ein richtiger Regenwald Ein klein wenig von diesen Motiven im Vordergrund eines Fotos machen sich natürlich besonders gut
Während Michi filmt, quäle ich den Fotoapparat und welch ein Wunder: Die Sonne geht tatsächlich unter Ach, ist das schön

Ehe es ganz dunkel wird (Taschenlampen hätten wir aber dabei), machen wir uns auf den Rückweg und sind rechtzeitig beim letzten Tageslicht beim Auto.

Um 19 Uhr fahren wir los, um 20 Uhr sind wir in Kapa’a.
Daher notiert Die Fahrt von Kapa’a zum Ke’e Beach dauert etwa eine Stunde.

Im Hotel angekommen, meldet sich die Hausfrau in mir – die Wäsche gehört gewaschen. Also ran an den Feind Dazwischen Abendessen, Technik, Reisebericht schreiben – alles nötige Dinge im Urlaub

Um 1 Uhr, eigentlich schon am Montag, gehen wir ins Bett.