Dienstag, 25. 9. 2007:

Um 6.50 Uhr läutet der Wecker. Kann er sich das denn nie abgewöhnen Zu allem Überfluss fängt auch noch der Hahn zum Krähen an – wie jeden Morgen. Für den Hahn hätte ich schon eine gute Lösung – eine Hühnersuppe Für etwas Leckereres wird er wohl kaum noch zu gebrauchen sein.

Fast wage ich nicht aus dem Fenster zu gucken, aber ich tue es doch, bin schließlich neugierig. Ich sehe eigentlich nichts Neues, nämlich wechselhaftes Wetter, von jedem etwas. Es ist nichts Aussagekräftiges dabei, was uns die Entscheidung für den heutigen Tag etwas erleichtern könnte.

Na gut, dann nehmen wir die Planung halt selbst in die Hand und frühstücken erstmal ganz gemütlich. Um 8.30 Uhr fahren wir vom Hotel ab – in Richtung Nordwesten, zum Ke’e Beach. Von dort aus wollen wir den ersten Teil des Kalalau Trails gehen, der ohne Permit erlaubt ist. Wenn es die Wetterverhältnisse zulassen, dann auch noch zu den Hanakapi'ai Falls, aber warten wir erst mal ab.

Nach einer Stunde Fahrt haben wir den letzten Parkplatz am Ke’e Beach ergattert. Es ist alles komplett nass, riesengroße Pfützen stehen. Bedeutet, der letzte Regenguss – von welcher Dauer er auch immer gewesen sein mag – liegt nur kurz zurück.

Mutig ziehen wir unsere Wanderschuhe an, Michi geht nun zügig voran, ich zockle hinterher und lasse immer wieder Leute an mir vorbei gehen. Auf diesem nassen, glitschigen Untergrund gehe ich alles andere als sicher und bin daher entsprechend langsam. Der Trail selbst ist mit Wurzeln und Steinen durchsetzt.

Doch jetzt erst mal kurz pausieren, um einen Blick aufs Meer werfen zu können.

Wettermäßig sieht es auch hier sehr gemischt aus, blauer Himmel, weiße und graue Wolken – wie hätten wir es denn gerne? Es hat übrigens 28.4° C. Der Weg wird immer feuchter, teilweise rutsche ich mehr, als dass ich gehe.

Als Trost bekommen wir einen wunderbaren Blick auf die Na Pali Coast spendiert.
... und weil es so schön ist, nochmals ein Blick zurück.
Mittlerweile ist es 10.25 Uhr und wir gehen am Trail weiter. Er ist sehr matschig und Hiker kommen uns entgegen, deren Schuhe wohl einer ganz gründlichen Reinigung bedürfen. Die meisten Hiker sind bis über die Knie mit Matsch angespritzt – was kommt da auf uns zu
Plötzlich werden wir mit schnellen Schritten von einem Hawaiianer überholt, der barfuß unterwegs ist

Nach 40 Minuten Gehzeit kommt für uns der Zeitpunkt, an dem wir sagen – das reicht! Ich habe lange Zeit für das Suchen meiner Wanderschuhe verbracht, so ein gut passendes Paar finde ich nicht so schnell. Was, wenn meine Wanderschuhe jetzt im Eimer sind, wie Michi prophezeit

Wir blicken auf den Ke'e Beach und erfreuen uns am Blick auf die Blüte eines Octopus Tree.

Aber ich will heute nicht nur über den Trail schimpfen, nein, er hat auch etwas Gutes: Wir machen schöne Fotos und Filmaufnahmen. Mein Casablanca wird sich noch wundern

Gerade kommen uns zwei Gruppen mit schwer bepackten Rucksäcken entgegen, jeder der Hiker ist zusätzlich mit Wanderstöcken ausgerüstet, offenbar haben sie alles dabei, um den Trail bis ans Ende zu gehen. Sie tun sich reichlich schwer, was mich nicht wundert. Viele, viele Kilo am Rücken, dazu der glitschige Trail… Ich frage mich, wie manche von ihnen bis zum Hanakapi'ai Beach kommen wollen. Wir werden es nie erfahren, wünschen ihnen aber viel Glück.

Es ist gerade mal 11.25 Uhr und wir legen eine kurze Filmpause ein, Michi filmt eine Agave, dahinter ist das kitschige türkisfarbene Meer. Weiter südlich dürfte es im Moment an der Na Pali Coast ziemlich regnen, zumindest sieht es von hier ganz danach aus. Wir schwitzen enorm, aber es hat trotzdem nur 27.7°C.

Um 12.20 Uhr sind wir beim Auto, wechseln unsere Schuhe und fahren erstmal am Highway entlang. Eine andere Möglichkeit gibt es von hier aus ohnehin nicht. Es beginnt soeben zu regnen.

Kurz vor 13 Uhr sind wir bei der Dry Cave. Wir halten uns länger als geplant in der Höhle auf, denn draußen gießt es gerade wie aus Eimern. So eine Dry Cave ist eigentlich etwas ganz Praktisches. Ich gehe in der Dry Cave bis ganz nach hinten und stelle dabei fest, dass hier offensichtlich zwei Nachtlager bestehen.

Es hört kurz zu regnen auf, wir eilen zum Auto und hoffen, dass wir bei der Wet Cave auch einen Parkplatz bekommen, was nicht immer einfach ist.

Ja, wie gibt es denn so etwas Die Wet Cave kommt und kommt einfach nicht, wir wissen, wo sie ist, fahren aber anscheinend erfolgreich an ihr vorbei. Wie ist das möglich, wo doch der Parkplatz ohnehin immer überfüllt ist Nach einiger Zeit wird es uns zu dumm, ich drehe um und wir fahren die Straße noch mal ab.

Dachte ich es mir doch Vom Ke’e Beach aus gesehen kommt zuerst die Wet Cave, dann erst die Dry Cave und da wir die Dry Cave gerade vorhin besucht haben, haben wir die zuvor liegende Wet Cave, die sehr nahe am Ke’e Beach ist, glatt übersehen. Aber jetzt haben wir sie So was… Schande über mich…

Leider darf man in der Wet Cave schon seit ein paar Jahren nicht mehr schwimmen. Nur allzu gerne wäre ich – entweder per Luftmatratze oder ohne – nach hinten zu der kleinen Öffnung geschwommen, hinter der sich der „blue room“ verbirgt. Keine Ahnung, weshalb das nun verboten ist, aber die Schilder weisen darauf hin und daran halte ich mich, so schwer es mir auch fällt.
Etwas Gutes hat das Schwimmverbot in der Wet Cave allerdings auch: Früher, als schwimmen noch erlaubt war, hatte die Oberfläche des kleinen Sees einen „Film“, d. h., sie war nicht rein. Vielleicht von eventuellen Sonnencremes geschädigt Ich weiß es nicht, es ist nur eine Vermutung. Jetzt ist die Oberfläche klar, trägt keinen „Film“.

Anschließend fahren wir weiter und parken unseren Jeep um 14 Uhr am Hanalei Center.

Hier blüht vieles wunderschön

Es ist strahlend blauer Himmel, kaum zu glauben

Unseren kurzer Stopp beim Hanalei Center dehnen wir bis 15.30 Uhr aus, stärken uns mit Fish & Chips und gönnen uns im „Java Kai Hanalei“, der ausgezeichneten Kaffee hat, einen Espresso. Michi nimmt noch ein Chocolate Cookie. Integriert sind Macadamia-Nuts sowie kleine Schokoladestückchen und nachdem ihm das so gut schmeckt, hole ich ihm gleich noch zwei weitere. Das dürfte für den heutigen Tag genug sein

Während ich die zwei weiteren Teilchen bestelle, sieht die eine Verkäuferin meine zwei Uhren und will nun ganz genau wissen, warum zwei, welche wofür, wo ist der Unterschied usw., usw.

Nun steht hinter uns wieder der nächste Regen am Himmel und wir fahren weiter.

Ein Blick auf die Taro-Felder muss immer wieder sein.
Unser nächster Stopp ist das Princeville Resort. Erstaunlich, dass es zwar zwei Wärterhäuschen gibt, die aber nur zur Zierde dort stehen.
Wir – mit Manfrotto und Digicameras ausgerüstet – fallen doch etwas auf, besonders dann, als ich eine Filmszene vom Golfplatz möchte. Hinter mir steht ein Security Man, der nervös auf und ab geht, jeden meiner Schritte beobachtet. Ich warte nur darauf, dass er kommt und fragt, was wir hier wollen. Doch es geschieht glücklicherweise nichts.
Und nun geht es weiter Richtung Kilauea Lighthouse, aber wir brauchen Benzin Unser Tank ist fast leer
Eine Shell rechterhand lächelt mich freundlich an, ich biege ein, Michi tankt. Dann geht’s frisch gestärkt Richtung Lighthouse weiter, mittlerweile ist es schon 17 Uhr.
Anschließend fahren wir zur Kilauea Bakery, trinken einen sehr guten Espresso. Hinter der Theke stehen zwei Damen. Die Ältere der beiden hört, dass wir uns in deutscher Sprache unterhalten. Sofort erzählt sie uns, sie war auch schon mal 1,5 Jahre in Heidelberg, aber auch in Österreich.
Ich greife die Gelegenheit beim Schopf und frage die gute Frau, ob ich denn ein Foto vom Inneren der Bakery machen dürfe und sie stimmt sofort zu. Anschließend reden wir noch ein wenig mit der ganz gut deutsch sprechenden Dame, es ist richtig gemütlich, was aber auch an der Einrichtung der Bakery liegt.
Nun wird es aber Zeit, zum Lighthouse zu fahren. Dort erwischen wir gerade noch die letzten Sonnenstrahlen.

Gerade zu dem Zeitpunkt, als wir zum Auto zurückgehen, spricht uns eine Lady an. Sie fragt, ob wir noch gute Fotos machen konnten und dann folgt beinahe ihr Lebenslauf ? Sie lebt schon 10 Jahre in Kilauea, ist aber ursprünglich aus Kalifornien, hat vier Kinder, wobei der 13-jährige Sohn irgendeine Behinderung zu haben scheint. Sie ist jedenfalls stolz darauf, dass er seit ca. einem Jahr die Handschrift beherrscht.
Die Lady – bzw. genau genommen ihre ca. 10-jährige Tochter – verkauft in einem Auto, das fast unmittelbar neben unserem Jeep steht, selbst gebackenes Brot. Diverse Sorten sind erhältlich und es sieht sehr lecker aus. Zu dumm, dass wir morgen nach Maui fliegen, sonst hätten wir hier Brot gekauft.

Dann erzählt die Lady weiter… Ja, das sei halt hier ein Problem, die Leute verdienen sehr, sehr wenig, die Inseln sind aber sehr teuer, aber irgendwie kommt man schon durch. Sie hat drei Jobs, scheint aber sehr glücklich zu sein.

Wir verabschieden uns und fahren nach Kapa’a zurück. Im Hotel angekommen, wasche ich (bzw. lasse waschen ) nicht nur unsere Gebrauchswäsche, sondern auch die Rucksäcke.

In der Zwischenzeit gehe ich, mit einer Schuhputzbürste bewaffnet, zum Auto und versuche, unseren Wanderschuhen ein wieder halbwegs normales Aussehen zu verleihen. Nicht schlecht gelungen Ab damit wieder ins Auto.

Aber was sehe ich, als ich meinen Rucksack aus der Waschmaschine nehme Am unteren Ende klafft ein riesengroßes Loch. Nein, kein kleines Löchlein, wo vielleicht ein Fingerhut durchfallen könnte – nein, ein wirklich großes Loch, durch das jede 1 l – Flasche verschwinden kann. Na super Das ist genau das, was ich mir schon lange gewünscht habe Trotzdem ab damit in den Trockner, anschließend bügle ich Michis Hemden. Während ich die Koffer packe, versucht Michi erfolgreich, meinen Rucksack zumindest für den morgigen Flug zu retten. Dann folgt noch der technische Teil sowie das Schreiben des Reiseberichtes, ehe ich um 1 Uhr todmüde ins Bett falle.