Donnerstag, 16. 4. 2009

Um 3.30 Uhr läutet das Handy. Ich bin sooooo müde Aber es nützt nichts, wenn das Handy läutet, heißt es aufstehen.
Aber Moment mal… - warum läutet es eigentlich um 3.30 Uhr
Da Michi ausnahmsweise durch das Handyläuten wach wird, frage ich ihn. Seine Antwort: „Ähemmmm, ich habe vergessen, die Uhrzeit zu aktualisieren“.

Ok, also Uhrzeit aktualisiert, neue Weckzeit eingestellt, es wird weiter geschlafen

Um 6.45 Uhr läutet das nächste Mal das Handy, diesmal so gewollt. Nach der Morgentoilette gehen wir – wie könnte es anders sein – zu Perry’s Smorgy, das sich schräg gegenüber unseres Hotels befindet. Die Lady, die wir seit vielen Jahren kennen, ist immer noch an der Kassa. Es ist schön, bekannte Leute wieder zu sehen.

Bei Perry’s ist heute enorm viel los, kein Wunder, in Honolulu ist das Musik-Event.
Der Kaffee ist zu unserem Bedauern, wie schon 2007, der Lions. Der früher angebotene Kona Coffee wurde offenbar auf Dauer zu teuer. Die Eierspeise hat die gute Qualität wie eh und je, einzig und allein der gebratene Speck fehlt, aber auch ohne diesem ist das Angebot groß

Aber jetzt nicht lange getrödelt, wir möchten schließlich den Kuaokala Trail laufen.

Anschließend gehen wir zum Hotel zurück, wir schnappen unsere Rucksäcke und fahren Richtung Westküste.
Was sich dort gegenüber 2007 an Zelten der Obdachlosen vermehrt hat, verschlägt uns die Sprache. Es entsteht fast ein kleines Dorf, das Dorf der Obdachlosen, wie ich es nenne.

Müllsäcke stehen entlang der Straße, Mäuse und Ratten laufen herum. Weshalb die Müllsäcke von der Müllabfuhr nicht mitgenommen werden, entzieht sich meiner Kenntnis.

Polizeiautos fahren auf und ab, die Westküste hat endgültig ihren Reiz verloren. Schade darum, denn viele Strände hier sind wunderschön.

Es ist aber auch ein wenig verständlich, dass O'ahu die Obdachlosen mehr oder weniger beisammen haben will. Dass dafür die von Touristen weniger angesteuerte Westküste gewählt wird, ist logisch.

Urplötzlich hebt sich mein Adrenalinspiegel: Ein Autoreifen kommt von der Gegenfahrbahn direkt auf unser Auto zugerollt Meine kurze Überlegung ist, trifft der Reifen meine Fahrertür oder die Hintertür. Ich will keines von beiden, daher werfe ich einen raschen Blick in den Rückspiegel – mein Hintermann hat den Reifen bereits gesehen und angehalten, ich flitze ein paar wenige Meter zu unserem Vordermann, ohne in seinem Kofferraum zu sitzen und halte die Luft an…
Ein Blick in den Außen- und Rückspiegel zeigt, der Reifen saust knapp hinter unserem Auto vorbei. Puhhhhh Erst als ich Sekunden darauf sage „Mensch, das war echt knapp“ fragt Michi „wovon redest du “. Er hat das Ganze überhaupt nicht mitbekommen, da er irgendetwas Interessantes auf der rechten Seite sah.

Endlich gelangen wir zum Gate der Satellite Tracking Station Road, diesmal hat eine junge Lady Dienst. Besonders viel weiß sie mit dem Permit nicht anzufangen, aber da der Stempel von Na Ala Hele darauf ist, verkneift sie sich eventuelle Fragen, öffnet uns das Gate und wir fahren durch. Offenbar ist heute das zweite Gate besetzt, da die Lady nichts Anderes erwähnte. Ich schlängle uns mit dem Auto die kurvenreiche Strecke hinauf und bald stehen wir vor dem verschlossenen Gate. Sehr schön – es ist unbesetzt. Hupen nützt nichts, es kommt niemand.

Michi entdeckt ein Telefon, dort wird eine Telefonnummer angegeben, die man anrufen soll, wenn man das Gate passieren möchte. Also frisch drauf los, Nummer gewählt, doch schon bei der zweiten Ziffer kommt das Besetztzeichen. Ok, also warten, noch mal versuchen, derselbe Effekt. So geht das einige Male, bis Michi einfach eine andere Telefonnummer wählt. Das nützt aber genauso wenig und daher fahren wir wieder hinunter zu der Lady.

Stolz gibt die Blondine ihr Wissen preis: Wir müssen doch nur die Telefonnummer wählen, die angegeben ist, dann meldet sich jemand und kommt zum Gate, um es zu öffnen. Michi erklärt ihr Länge mal Breite mal Höhe, dass die Telefonnummer falsch sei, wohl veraltet und daher nicht funktioniert. Ein Vergleich mit ihrer vorliegenden Telefonnummer für solche Fälle zeigt, dass die Nummern nichts Identes haben. Sie ruft bei der oben stationierten Polizei an und wir dürfen noch mal hochfahren. Kaum angekommen, erwartet uns am anderen Ende des Gates ein Polizeiauto. Ein schwer mit Maschinenpistolen bewaffneter Polizist steigt aus, wirft einen kurzen Blick auf das Permit, es folgt ein kleiner small talk und dann fahren wir bis zum Trailhead des Kuaokala Trails, der nicht weit entfernt ist.

Um 11.10 Uhr starten wir mit dem Kuaokala Trail, der mit einer Länge von 4 km (ja, Kilometer, nicht Meilen) angegeben ist.

Zu Beginn ist der Boden mit Nadeln, Steinen und Wurzeln durchsetzt, der Trail ist ca. 45 cm breit und es riecht nach Maggi, ähnlich wie auf dem Kilauea Iki Trail auf Big Island.

Es ist extrem schwül, wir schätzen die Temperatur auf 30° C. Ab und zu hören wir die kleinen Flieger vom Dillingham Airfield und selten ein Service-Auto, das irgendwo in unserer Gegend fährt, aber nicht zu sehen ist. Ansonsten Vogelgezwitscher und unsere Schritte – mehr ist nicht zu hören.

Über uns sind ein paar düstere Wolken, aber sie beunruhigen uns nicht.

Um 11.20 Uhr stehen wir vor einem T-Stück, bei dem es sich um eine Fahrpiste handelt. Es gibt keinerlei Hinweise, ob wir rechter- oder linkerhand gehen sollen, wir entscheiden uns für links.

Nun ist es 11.35 Uhr, wir folgen nach wie vor der Fahrpiste, es sind auch frische Reifenspuren sichtbar und wir stoßen auf einen überdachten Picknickplatz, der sich rechterhand befindet.

Kurz vor dem Picknickplatz sehe ich auf einem Baum ein blaues Band. Dieser Picknickplatz trägt die Nummer 1.

 

Geradeaus blickend ist der Fahrweg mit Gras bewachsen, auf einem Strauch hängt ein rosarotes Band. Mal blau, mal rosa – sehr abwechslungsreich.

Nach einem kurzen Stück des Weitergehens entdecken wir in der Ferne Kaua’i. Bald darauf sehen wir zur Yokohama Bay.

 

Doch jetzt muss eine 5-minütige Pause sein. Trinken ist angesagt und Michi muss sich eincremen, sonst sieht er abends wie eine Tomate aus.

Dann geht es weiter auf der Hochschaubahn – mal rauf, mal runter, es ist ein ständiges Bergab- und Bergangehen.

Um12.15 Uhr dann ein orangefarbenes Band auf einer Baumwurzel befestigt. Auf dem Band steht „stay left on trail“.

Es ist 12.55 Uhr und wir kommen kaum vorwärts, weil es so steil bergauf geht und außerdem ist es für mein Knie ein ziemliches Problem.

Vor uns sehen wir in der Tiefe eine große Grünfläche, mittendurch führt ein Fahrweg. Wie man dort wohl hinkommt

Nieselregen setzt ein, wir legen unsere Regencapes an und drehen um.

Von 14.30 Uhr bis 15.30 Uhr fahren wir auf der Mokule’ia Access Rd. und stehen nun am anderen Trailhead des Kuaokala Trailheads. Vor uns sind kleine Wolken sichtbar, temperaturmäßig ist es sehr angenehm.

Die Mokule’ia Access Rd. ist, im Vergleich zu September 2007, wo wir zuletzt hier waren, in einem deutlich schlechteren Zustand. Ohne Allrad mit 4L geht nichts. Es sind aber Reparaturarbeiten im Gange, wie ein abgestellter Bagger zeigt.

Um 15.40 Uhr beginnen wir von dieser Seite her den Trail.

Zu Beginn handelt es sich um einen Fahrweg. An den Spuren kann man erkennen, dass hier schon die Planierraupe gefahren ist.

Der Weg geht in der Folge steil nach oben, ich muss meinen Fotoapparat in den Rucksack verfrachten, da ich beide Hände zum Weiterkommen benötige. Die Ausblicke entschädigen für die Strapazen.

Nachdem wir dieses Steilstück überwunden haben, geht es auf einem ca. 0,5 m breiten Weg durch einen fast schon märchenhaften Wald weiter.

Um 16.35 Uhr erreichen wir eine Stelle, bei der es vor uns sehr steil hinauf geht. Mein Knie schmerzt, ich gehe in Streik. Michi klettert das Stück hoch und sieht, dass jene Stelle, bei der wir heute schon wegen Regens umgekehrt sind, nur einen Steinwurf entfernt ist. Somit haben wir den gesamten Kuaokala Trail gemeistert.

Wir drehen daher um und suchen uns ein Plätzchen zum Mittagessen. Ja, richtig gelesen - um diese Uhrzeit gibt es Mittagessen.

Anschließend gehen wir zurück. Die Rückfahrt bis zum Gate beträgt 4,2 mi und wir benötigen eine Stunde dafür.

Das Gate ist natürlich wieder verschlossen. Die Telefonnummer, die Michi heute als aktuell genannt bekam, ist teilrichtig. Der Herr hat es gut gemeint und noch 808 davor geschrieben, das müsse unbedingt sein. Vonwegen – die Telefonnummer funktioniert nur ohne der 808….

Nachdem das Telefonat geglückt ist, kommt kurz darauf ein Polizeiauto vorgefahren, ein junger Mann, eine Maschinenpistole lässig in der rechten Hand haltend, kommt auf uns zu, steigt wortkarg aus und öffnet das Tor. Wir fahren durch und weiter geht's.

Nach dem Passieren des untersten Gates (diesmal hat nicht mehr die Lady, sondern ein völlig unwissender Herr Dienst), sitzen wir noch geraume Zeit im Auto. Sonnenuntergang ist angesagt Wir konsumieren je eine Minidose Frankfurter Würstchen mit Quitschbrötchen. Michi schießt die letzten Fotos vom Sonnenuntergang.

Er unterhält sich – sehr zu meinem Missfallen – mit einem jungen Mann. Das Unterhalten stört mich in keinster Weise, aber Michi hat die DSLR um den Hals und hantiert mit dieser, als sei sie eine 100 Euro-Kamera. Ich beobachte, was vor sich oder nicht vor sich geht. Glücklicherweise nichts. Puhhhh, Glück gehabt

So, die Sonne ist untergegangen, also nichts wie auf Richtung Honolulu. In Makaha machen wir Halt und genehmigen uns je einen doppelten Espresso im Starbucks Leider hinterlässt der Espresso bei mir nicht die gewünschten Spuren, nämlich das Munterwerden und somit übernimmt Michi das Steuer.
In Honolulu gibt es – angeblich – Stau, doch den bekomme ich nicht mit, da ich mit schlafen beschäftigt bin. Schließlich sind wir um 21 Uhr beim Hotel.

In dem gegenüber des Hotels stehenden Eis- und Sandwich-Laden bestellen wir uns je einen Smoothie. Da diese Diele aber wenige Minuten später sperrt, setzen wir uns mit den Smoothies in die Lobby unseres Hotels.

Anschließend erledigen wir den technischen Teil des heutigen Tages.

Ein wunderschöner Tag geht zu Ende. Die Mokule’ia Area von dieser Seite zu sehen, ist einfach nur traumhaft. Am liebsten morgen gleich noch einmal

Mal sehen, was wir uns auf den morgigen Plan schreiben. Die Ko’olau Mountains fallen mit ziemlicher Sicherheit aus.

Bis in ein paar Stunden