Montag, 10. 9. 2007:

Unbarmherzig bimmelt der Wecker um 6.10 Uhr. Ja, richtig, wir haben ihn für heute etwas früher gestellt, ein langer Tag wartet auf uns und wir freuen uns darauf.

Bei Perry’s beschweren wir uns heute erstmals über den kaum noch trinkbaren Kaffee. War es bis zum letzten Urlaub 2005/06 Kona-Kaffee, den Perry’s anbot, ist es nun der Lion’s Kaffee. Hände weg von dieser Sorte

Auch die scrambled eggs haben stark in ihrem exzellenten Geschmack nachgelassen. Bis zu diesem Urlaub habe ich immer fest und steif behauptet, die besten scrambled eggs gibt es bei Perry’s, das kann ich nun nicht mehr sagen.

 

Um 7.45 Uhr fahren wir in Richtung Farrington Hwy. West, am heutigen Plan steht etwas, das nur mit Permit möglich ist. Wir wollen die „Kaena Point Satellite Tracking Station Access Route“ – kurz „KPSTS“ – fahren und im Rahmen dessen einen Teil des Mokule'ia Trail gehen.
Allrad ist dafür notwenig, aber den haben wir ohnehin. Schönen Gruß vom Versicherungsschutz

Es ist 10.15 Uhr, wir stehen beim Wachposten, der sich zu Beginn der KPSTS befindet. Ein sehr freundlicher junger Mann kommt aus dem kleinen Haus und fragt lachend „well, which day is today?“. Er guckt auf das Permit und gibt sich die Antwort selbst: „Oh, it's the 10th of September, not the 11th!“.

Ich schlucke kurz. Seit Tagen weiß ich, dass wir für Montag das Permit haben, aber das Datum war mir irgendwie nicht geläufig – wir sind ja im Urlaub, da brauche ich kein Datum, sondern nur Wochentage.
Was wäre eigentlich, wäre heute der 11. September Vorsorglich höre ich zum Nachdenken auf.

Der Herr erklärt uns, er müsse nun mit uns bis zum nächsten Gate fahren, denn das ist geschlossen, wir sollen ihm folgen.

Er schultert sich seine Maschinenpistole, ist auch sonst schwer bewaffnet, ruft seiner Kollegin zu, sie solle auch kommen. Sie trägt dieselbe Ausrüstung wie er – Maschinenpistole und sonstige Waffen.

Nun fahren wir unter Polizeischutz zum nächsten Gate, das unbesetzt ist. Angeblich nur jetzt gerade, sonst ist immer jemand hier. Hoffentlich auch dann, wenn wir am Abend zurückkommen und das Gate geöffnet bekommen wollen… Das kann ja heiter werden.

Aber es geschieht überhaupt nichts Aufregendes, das Gate wird geöffnet, wir fahren durch, das war’s. Die beiden wünschen uns noch einen schönen Tag und weg sind sie.


Ab jetzt sind wir alleine unterwegs. Nach kurzer Zeit passieren wir ein Gate ohne Häuschen. Wir überlegen wiederum, was wohl geschieht, wenn wir am Abend zurückkommen und dieses Gate geschlossen sei. Just in diesem Augenblick bleibt neben uns ein roter Jeep stehen.
Den Beifahrer, einen Japaner, sehen wir zuerst und am Steuer sitzt….. Aaron Als er uns sieht, lacht er hellauf und meint "at all places with no tourists I can find two tourists: you!“ Wir plaudern über unser heutiges Vorhaben, bekommen noch den Tipp, dass ein Bulldozer auf der Piste sei und es wäre gut, diesem Fahrer wissen zu lassen, dass wir unterwegs sind.
   
Wir verabschieden uns und fahren ein kleines Stück weiter.
Bald darauf kommen wir zu einer Abzweigung, verlassen aber gleich die asphaltierte Strecke. Links steht ein Schild „only 4WD beyond this point".

Wenn man schon einen Allrad hat, fährt man auch entsprechende Pisten – ab mit uns auf die „only 4WD beyond this point“. Allrad zugeschaltet, los geht’s

Zu Beginn ist die Piste noch in einem sehr guten Zustand, aber das ändert sich sehr rasch. Es geht nur mehr mit 4L und „1“ in Automatik.

Um 12 Uhr stehen wir an jener Kreuzung, an der es linkerhand zum Kealia Trail geht. Wir sind schon soooo lange auf der 4WD-Piste unterwegs und haben also erst ein sooo kurzes Stück zurückgelegt.

Wie sagte Aaron „It’s a loooooong way“. Recht hat er

Nun stehen wir vor einer Y-Gabelung, rechts geht es zum Kuoakala Trail, links geht unsere Piste weiter.

Kuoakala Trailhead

Hier ein paar Fotos, die wir während der nächsten Stunde knipsen:
Eine Stunde später stehen wir vor einer paved road, die rechts und links vor uns verläuft. Es ist aber nur ein sehr schmales Asphaltband. Rechterhand ein Schild „Mokule'ia Public Hunting Area Unit A“. Nun schalte ich den Allrad ab.

Um 13.30 Uhr stehen wir vor einem geschlossenen Gate, rechts geht eine Allradpiste weg, versehen mit den Schildern „Mokule'ia Campground“ und „Mokule'ia Trail“. Ab jetzt ist wieder Allrad angesagt

Nur wenige Meter auf dieser Allradpiste zurückgelegt, sehen wir linkerhand den Mokule'ia Campground „Peacock Flats“. Dieser Campground, idyllisch in einem Eukalyptuswald gelegen, bietet überdachte und nicht überdachte Picknicktische sowie ein Häuschen für dringende Angelegenheiten. Ob dieses Häuschen über fließendes Wasser verfügt, weiß ich nicht, aber ich wage es zu bezweifeln.

Mokule'ia Trailhead

Kurze Zeit darauf kommen wir am Trailhead des Mokule'ia Trail an. Ein großer weißer Pickup verstellt genau und haarscharf den Einstieg in den Trail. Nur mit ein paar Verrenkungen ist es möglich, ein Foto vom Schild des Trails zu schießen.
Wir ziehen uns um, packen sämtliche Sachen in unsere Rucksäcke und ziehen los.

Doch halt So schnell können wir nicht losziehen, denn die am Boden liegenden Schuhbürsten bitten uns, Samen und sonstige Verschmutzungen von unseren Schuhen zu entfernen. Aber dann sind wir wirklich fertig zum Abmarsch.

Schon nach kurzer Zeit rinnt uns der Schweiß überall runter, es ist unheimlich schwül. Noch dazu geht es fast ständig leicht bergauf, nichts Weltbewegendes, aber bei diesen Temperaturen…

Nun etwas zur Bodenbeschaffenheit des Mokule'ia Trails: Es ist ein ganz normaler Waldboden, der mit Wurzeln durchzogen ist, ab und zu mal kleine Steine. Bis jetzt war die schmalste Stelle 40 cm, ansonsten ist der Weg breiter.
Durch diese nahezu unberührte Natur wandern wir gemütlich weiter und erfreuen uns an den Blüten der Ohi'a lehua.
Nach einer Stunde, nämlich um 14.45 Uhr, kommen wir zu einem Shelter, allerdings ohne Tisch und Bank. Links davon, aber sehr unscheinbar, sehe ich ein Schild „Mokule'ia Trail“ mit Pfeil nach links, dem wir folgen.

Um 15.10 Uhr überqueren wir ein ausgetrocknetes Rinnsal, gehen über ein paar Flusssteine und stehen vor ein paar wunderschönen Ohelo-Bäumen. In Anbetracht der Uhrzeit drehen wir aber um. Ich möchte unbedingt vor Einbruch der Dunkelheit Asphalt unter den Rädern haben, denn wir Schlaumeier haben nicht mal eine Taschenlampe dabei! ? Im Falle des Falles macht sich ein Radwechsel ohne Taschenlampe nicht besonders gut.

Eine Stunde später sind wir wieder beim Auto. Hinter uns ist eine Gruppe junger Leute, drei Männer und eine Frau. Sie gehören zu dem weißen Pickup von der University of Hawai’i. Anscheinend haben sie Regenwasser gesammelt, aber sie sind überhaupt mit großer Ausrüstung unterwegs.

Vorhin habe ich gesehen, dass am Beifahrersitz des Pickups ein Buch liegt, es heißt „Lone Surviver“. Haben die vier Leute eine Art Überlebenstraining im Busch gemacht

Um 16.20 Uhr erreichen wir den Campground. Auf dem rechten Campground lassen wir uns häuslich nieder, um zu picknicken.
Die herrschende Stille, die nur vom Knacksen einzelner Bäume und vom Zwitschern der Vögel unterbrochen wird, ist herrlich

Achja, von wegen Vögel. Aaron fragte uns, ob wir Vögel mögen, denn in diesem Regenwald seien sehr viele unterwegs. Stimmt, Recht hat er, hier sind mehr Vögel als am Bird Trail auf Big Island.

Nach einer ausgiebigen Pause - die Sonne kommt ein wenig heraus – setzen wir den Rückweg fort.

Kurz vor 18 Uhr sind wir an der Kreuzung zum Kealia Trail. Wir werfen einen kleinen Blick in den Trail, die Sonne beleuchtet ihn gerade so schön. Diesen Trail wollen wir vom Dillingham Airfield aus gehen.

An dieser Stelle zeigt das GPS 570 Höhenmeter..

Doch es heißt weiter fahren, so ungern wir das jetzt auch tun.

Zu Beginn der Dämmerung sind wir beim zweiten Gate, das verschlossen ist. Ein junger bewaffneter Mann kommt aus dem Häuschen, fragt, ob wir einen schönen Tag hatten und öffnet ohne irgendwelche weitere Fragen den Schranken.

Kurz nach 19 Uhr sind wir beim ersten Gate, das seltsamerweise unbesetzt ist. Ich fahre vorsichtig rechts am Häuschen vorbei, bleibe aber vor den Krallen, die aus dem Boden herausschauen, stehen. Nachdem wir wenige Minuten gewartet haben, fahre ich einfach los. Nichts passiert, keiner sieht uns.

Nun hat uns also der Hwy. wieder, der lange Weg nach Honolulu steht uns bevor.
Michi möchte einen „ordentlichen“ Kaffee, dabei weiß er doch ganz genau, dass hier an der Westküste so etwas echte Mangelware ist.

Doch weit gefehlt! Wir sind gerade am Ortsanfang von Wai'anae und ich muss die Geschwindigkeit reduzieren, Michi hält Ausschau nach etwas, das Kaffee verkaufen könnte, einen „ordentlichen“ natürlich

Linkerhand sehen wir das Wai'anae Shopping Center, das wurde noch mal ganz schön erweitert und siehe da: Jetzt gibt es einen Starbucks! Ich bremse mich ein, biege ein und dann geht's ab zu einem Kaffee. Ich wähle allerdings einen Frappuccino, Strawberry with Creme.

Und frisch gestärkt geht es in einem Rutsch bis zum Hotel, wo wir um 20.45 Uhr ankommen.
Abendessen gibt es keines, wir hatten ja Picknick, das muss genügen.

Gemeinsam bzw. abwechselnd verrichten wir die Dinge des Abends, viele Akkus wurden leer, bespielte Filmkassetten werden gegen Ungespielte getauscht, der Reisebericht geschrieben und noch einiges mehr.

Was wir uns morgen aufs Programm schreiben sollen, wissen wir im Moment nicht. Michi kämpft mit seiner Erkältung, d. h., er hat Schnupfen.
Es gibt eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir fahren nach Chinatown und dann weiter ins PCC oder wir gehen einen der zahlreichen Trails. Vielleicht treffen wir Aaron wieder

Jetzt um Mitternacht bin ich streichfähig, Michi liegt schon im Bett.

Sleep well