Donnerstag, 2. Oktober 2003 :
Um 5.45 Uhr läutet der Wecker. Frühstück gibt es heute keines, denn wir wollen so rasch wie möglich losfahren.
Start ist um 7 Uhr. Vorerst geht es die schon gut bekannten 30 km südlich nach Balcanoona, dort biegen wir scharf links in die Copley Road ein, das ist jene Road, die in der Nähe vom Mt. Hopeless in den Strzelecki Track einmündet.
Kaum sind wir an dieser Kreuzung, haben wir schon das erste Problemchen, nämlich die doch gewaltige Kilometer-Differenz zwischen dem Straßenschild und den Angaben unserer Landkarten. Lt. Straßenschild sollen es bis nach Innamincka 409 km sein, lt. unserer Recherchen und Berechnungen fast 550 km.
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Wenn man bedenkt, dass alles unsealed ist, ist das doch ein gewaltiger Unterschied, aber wahrscheinlich liegt die Wahrheit der Kilometer irgendwo in der Mitte.
Nach 19 km erreichen wir den winzigen Ort Woltana, der nur aus ganz wenigen Häusern und einer Homestead-Ruine besteht. Von hier bis nach Moolawatana sollen es noch 80 km sein.
Nach weiteren 11 km, also ca. 30 km ab der Crn. zur Copley Rd., kommen wir zum Arkaroola Creek, den ich mit leichtem Schrecken wahrnehme – der Creek führt nämlich sehr viel Wasser, ist ziemlich breit und ich habe keinerlei Ahnung, wie tief er sein könnte. |


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Michi meint, durchgehen lohne sich nicht, ich solle einfach durchfahren, wir haben ja ohnehin den Allrad drinnen. Nicht besonders witzig, aber ich mache es und es geht ganz gut.
Wir sind uns nun nicht ganz einig, an welcher Stelle "jenes welches" passiert.....
Entweder ist es kurz nach dem Paralana Creek oder kurz nach dem Poontana Creek....., es ist 9.30 Uhr.....
Ich sehe wieder mal einen der versumpften Streckenabschnitte auf mich zukommen, denke mir aber nichts Böses.
In der Mitte durchfahren, so wie offenbar fast alle anderen, will ich nicht, dort ist es so matschig, dass das Wasser steht und tiefe Spurrillen sind. Daher liegt es für mich näher, den Weg rechts außen herum zu wählen, nicht sehr weit außen, aber so weit, dass ich mit den Spuren in der Mitte nicht in Berührung komme. Und genau das wird mir und somit uns zum Verhängnis. Innerhalb allerkürzester Zeit steht der Bushie niegelnagelfest im bulldust fest 
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| Außer „shit“ fällt mir in diesem Augenblick kein anderes Wort ein.
Das Allerdümmste an dieser Sache ist, dass uns die ganze Zeit, die wir bis jetzt gefahren sind, kein einziges Auto überholt hat und kein anderes entgegengekommen ist. Es scheint also eine äußerst selten befahrene Strecke zu sein, zumindest an diesem Tag.
Doch dieses Wissen hilft uns nicht weiter, wir müssen selbst handeln und können uns nicht darauf verlassen, dass ev. irgendwann am heutigen Tag jemand kommt und den Bushie aus dem bulldust zieht.
Also – aussteigen und feststellen, dass der Bushie sich zum Einen nach rechts neigt und zum Anderen die Räder auf dieser Seite bis gut zur Hälfte im Schlamm stehen. Na super    
Aber da hilft kein Jammern, kein „warum habe ich nur.....“, das Einzige, was hilft, ist arbeiten, arbeiten, arbeiten und da ich alleine schuldig ist, ist es für mich klar, dass ich auch das meiste dafür tun muss.
Als Erstes krame ich unseren Spaten hervor, Arbeitshandschuhe finde ich in der Eile nicht, aber das ist auch egal, der Spaten allein genügt vorerst schon. Oh Gott........, der Schlamm hat wirklich nichts Besseres zu tun, als in Null komma nix auf dem Spaten kleben zu bleiben. Heißt im Klartext, der Spaten ist von Anfang an mit Schlamm bedeckt und ich schaufle kleinweise den Schlamm von den Rädern weg. Ein langwieriges Unternehmen  Erwähnenswert sind auch meine (und Michi's) Schuhe – ringsherum haben sie den Schlamm aufgenommen, als hätte Schlamm eine besondere Anziehungskraft. Meine Güte, sind die Schuhe dadurch vielleicht schwer  Ich komme kaum einen Schritt vorwärts und nebenbei drohe ich ständig auszurutschen. Na, das wäre genau das, was mir jetzt noch fehlt - läge ich plötzlich im Schlamm.
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Nach einiger Zeit habe ich die Räder soweit vom Schlamm befreit, dass der nächste Arbeitsgang folgen kann. Wir brauchen nun etwas, das wir unter alle vier Räder legen können, sozusagen als Unterstützung bzw. Unterlage, dass der Bushie später beim Rückwärts-Hinausfahren nicht mehr so einsinken kann. Doch was sollen wir nehmen? Steine gibt es keine bzw. genau genommen, exakt einen und der ist nun alles andere als groß. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als Holz zu sammeln.
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Vorerst alles Holz der verwelkten Sträucher, das am Boden in der Umgebung liegt. Doch das ist längst nicht genug, daher gehe ich etliche Meter vom Bushie weg und „ernte“ einen bereits vertrockneten Strauch ab. Mit einem Riesenbündel von Reisig kehre ich zum Bushie zurück, verteile alles malerisch unter die Räder, belege auch den später (hoffentlich) zu befahrenen Weg damit.
Dann kommt Michi's erster Part – nämlich versuchen, den Bushie ein wenig zum Rückwärtsfahren zu bewegen.
Achja – es ist immer noch kein Auto in Sicht, das nur so nebenbei.......
Dazu zieht sich Michi seine Schuhe aus, ansonsten wäre der Bushie innen auch noch völlig verschmutzt.
Los geht's 
Michi fährt noch vielleicht zwei oder drei Zentimeter vorwärts, dann versucht er sein Glück rückwärts. Meine Aufgabe ist, rechts (fahrerseitig) neben dem Bushie zu stehen und durch Dagegenhalten zu verhindern, dass er noch mehr in die Schräglage gerät, andererseits muss ich auch versuchen, mit zu schieben. Da ist Kraft hoch 10 angesagt 
Doch nach ca. 2 m ist Ende, der Bushie steckt wieder fest.
Michi bleibt im Auto hocken und ich ziehe die vorher verkeilten Äste, die nun frei liegen, aus dem Schlamm heraus und stecke sie erneut unter die Räder. Das dauert zwar, aber das einzige, was wir haben, ist Zeit, obwohl sich über unseren Köpfen seltsame Wolken zusammen brauen.
Dann kommt Vorgang Nummer zwei, nämlich wiederum gegen die Schräglage des Bushie's ankämpfen und gleichzeitig mit schieben, während Michi ein ganz kurzes Stück rückwärts fährt.
Und so geht es etliche Male, doch mir geht das Material an Ästen aus, denn manche bekomme ich nicht mehr aus dem Schlamm heraus. Deshalb muss leider ein weiterer Strauch, der eben zu blühen beginnt, daran glauben – ich holze ihn praktisch auf Ebene Null ab. Ist gar nicht so anstrengend. Anschließend sind zwar meine Arme und Hände komplett zerkratzt, da es ein sehr hartes Holz ist, aber die Äste lassen sich leicht brechen.
Da wir mit jedem Rückwärtsfahren den Bushie ein wenig mehr aus dem Schlamm heraus bringen, fassen wir auch wirklich Hoffnung, dass wir es alleine schaffen – ein anderes Auto ist immer noch nicht in Sicht 
Also weiter gebuddelt.....Äste aus dem Schlamm gezogen.......neu verlegt.......Bushie im Rückwärtsgang, ich schiebe ihn ohne Ende.
Endlich, nach 3 Std. intensiver Arbeit haben wir es geschafft      |



Strzelecki Track
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Wir sind überglücklich, wenn auch total verschmutzt, um nicht zu sagen, verdreckt. Das spielt alles keine Rolle, denn wir sind auch ein wenig stolz, den Bushie aus dieser mieslichen Lage selbst, ohne jede fremde Hilfe, befreit zu haben.
Tja, das nennt sich Adventure  
Bevor wir allerdings ans Weiterfahren denken können, müssen noch unsere Schuhe sowie der Spaten zumindest halbwegs gereinigt werden. Das gestaltet sich einigermaßen schwierig, da wir dazu unsere Wassertanks nicht leeren wollen und andererseits kein richtiges Werkzeug haben. Also muss mal wieder ein Ast bzw. der Stiel eines solchen daran glauben.
Bis wir endlich weiterkommen, ist es ca. 14.30 Uhr, also schon verdammt spät.
Es heißt, weiterfahren und nach geraumer Zeit kommen wir zu einem Gate, relativ kurz darauf zu einem T-Stück - der Strzelecki Track liegt vor uns.
Links geht es nach Lyndhurst, macht 191 km, rechts nach Innamincka, macht 264 km, also ein doch beachtlicher Unterschied, mittlerweile ist es nämlich schon 15 Uhr.
Michi überlegt nicht lange, für ihn steht fest, wir fahren nach Lyndhurst und irgendwo dort in der Gegend wollen wir eine Unterkunft ergattern. Er spricht noch auf den Camcorder, dass ich sehr traurig sei, dass wir nicht nach Innamincka fahren würden. Ich versichere ihm, es mache mir nichts aus, Hauptsache, er ist glücklich, das ist mir am Wichtigsten.
Also fahren wir in Richtung Lyndhurst und schon nach wenigen Kilometern kommt uns ein Auto entgegen. Michi fragt verdutzt, wohin denn der Fahrer um diese „späte“ Uhrzeit noch wolle. |
| Eine wohl etwas dumme Frage.....Nach Innamincka natürlich
Und da meint plötzlich Michi, wenn dieser Fahrer das könne, können wir das auch 
Also umgedreht und wir fahren doch in Richtung Innamincka, das bedeutet, von der Kreuzung, bei der wir vorher nach links abbogen, 264 km bis nach Innamincka.
Nun heißt es Gas geben, denn es ist fast 15.30 Uhr, gegen 18.30 Uhr, das wissen wir aus Erfahrung, wird es finster. Eine Fahrt in der puren Finsternis ist zwar zu bewältigen, aber man kommt nur sehr langsam vorwärts, da dann das Nachtleben der diversen Tiere beginnt. Der Strzelecki Track selbst ist in einem guten Zustand, man kann wirklich Kilometer machen.
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Die Stzrelecki Crossing übersehe ich beinahe, es gibt nur ein Ankündigungsschild dafür, dass die Straße enger werden würde, dann ein paar rote Fähnchen rechts und links am Straßenrand, aber daraus schließe ich nichts. Michi macht mich auf die Crossing aufmerksam, allerdings sind wir zu diesem Zeitpunkt schon vorbei, aber nur kurz. Daher stelle ich den Bushie am Straßenrand ab und gehe die paar Meter zurück zur Crossing. Ein Blick nach links, ein Blick nach rechts – kein Wasser, nicht mal im Entferntesten. Trockener geht es nicht mehr. |
| Also retour zum Bushie und als ich einsteigen will, um weiter zu fahren, sehe ich links vorne etwas Seltsames auf einem Baum hängen. Zuerst denke ich, es sei ein „Sarg“ von einem Auto, den jemand verloren hat. Neugierig wie ich bin, pilgere ich etwas näher heran und dann entpuppt sich der Sarg als früheres Metallboot.
Es muss wohl bei irgendeinem größeren Regen, ev. verbunden mit Thunderstorms, auf den Baum geflogen sein und dort hängt es wohl schon seit Jahren, so vermute ich jedenfalls.
Nicht sehr lange darauf kommen wir zu einem T-Stück, an dem es rechts nach Innamincka geht, geradeaus führt der Weg direkt zur Moomba-Gasstation (no access).
Wir biegen dementsprechend rechts ab und denken eigentlich, nun sei es nicht mehr lange bis Innamincka. Doch weit gefehlt Der Weg zieht sich in die Länge, kaum vorstellbar.
Was ist denn das am Horizont Steht dort ein Auto Um diese Uhrzeit
Naja, wir sind ja auch noch unterwegs 
Ich gehe doch ein wenig vom Gas weg, wir kommen dem seltsamen Etwas näher und stellen fest: Es ist tatsächlich ein Auto und daneben stehen zwei Personen. Haben sie eine Autopanne |


im Hintergrund: Moomba Gasfields
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Sieht nicht danach aus, denn es ist in Australien üblich, bei Autopannen jeglicher Art die Motorhaube zu öffnen (und nicht die Warnblinkanlage einzuschalten ).
Wir kommen noch ein wenig näher und stellen fest: Diese zwei Personen sind a) Aborigines, b) tragen sie eine Uniform.
Wie bitte Hier, mitten am Strzelecki Track Wir sind sprachlos und wie es sich gehört, halte ich hinter dem Auto an.
Aussteigen ist auch nicht erlaubt, also kurble ich nur das Fenster hinunter. Wir werden sehr freundlich begrüßt und ich beginne schon, meinen Führerschein hervor zu kramen. Der freundliche Aborigine fragt, wohin uns die heutige Fahrt noch bringt und ich antworte, dass wir bis Innamincka fahren möchten. Den Führerschein halte ich immer noch in der Hand, als der Aborigine uns eine gute Fahrt wünscht und wir sollen auf Grund der einsetzenden Dunkelheit auf die Tiere achten. Wir sind ziemlich verdutzt, dass der Aborigine meinen Führerschein nicht sehen will. Er winkt nur ab und erklärt, er habe nur mein Gesicht sehen wollen, ob ich einen müden Eindruck mache oder nicht  - Was wäre eigentlich gewesen, hätte ich müde ausgesehen Schließlich fahren wir weiter.
Ab und zu stehen Kühe ein wenig neben dem Straßenrand, sie leuchten richtig dunkelbraun und heben sich gegen den hellen Sand sehr gut ab. |
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| Allerdings ist die Landschaft wegen der relativ späten Uhrzeit durch die Sonne in einem sehr schönen Licht, die Wüstenlandschaft kommt so richtig heraus.
Wiederum nach geraumer Zeit kommen wir zu einem Wegweiser – nein, eigentlich sind es zwei, ein neuer und ein alter – der nach Innamincka weist, diesmal nach links gehend. Wir folgen entsprechend.
Doch nun holt uns die Nacht ein, es wird nahezu schlagartig finster. Plötzlich sehen wir in der Ferne so etwas Ähnliches wie einen Turm, er ist mit grellen Lichtern beleuchtet und dadurch leicht zu erkennen. Wir sind fix der Meinung, es handle sich um den Flughafen von Innamincka, doch beim Näherkommen stellt sich heraus, dass es sich um die Tiefenbohrung für die Erdwärmenutzung handelt. Ein ziemlich großes und natürlich auch teures Projekt mit noch nicht ganz geklärtem Ausgang – würde es sich auszahlen oder nicht 
Und wenn man nun meint, wir haben Innamincka erreicht, so ist das schlichtweg falsch. Von dieser Tiefenbohrung fahren wir zuerst ostwärts, ein ziemliches Stück, dann nordwärts, ebenfalls wieder relativ weit – die Häuser von Innamincka haben wir fast stets vor Augen, doch wir kommen nicht an sie heran. Von der Nordroute werden wir westwärts geschickt, um endlich das Schild „Innamincka – Historic Township, first surveyed 1990“ zu sehen.
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Nun ist es wirklich nicht mehr weit und das Innamincka-Hotel finden wir auf Anhieb. Wir bekommen nun die Unterkunft im „Bunkhouse“ und nicht, wie Michi am Telefon verstanden hat, „blankett“.
Dazu müssen wir um den ganzen Gebäudekomplex links herum fahren und dort steht dann das Bunkhouse. Dabei handelt es sich um ein halbwegs großes Gebäude, in dem 8 Zimmer sind. Zwei Duschen sowie zwei WC's sind mit anderen Mitbewohnern zu teilen – doch diese gibt es zum Glück nicht, wir sind ganz alleine  |
| Nachdem wir alles besichtigt haben, gehen wir zum Abendessen. Michi bestellt sich Fish & Chips und ich mir ein Putenschnitzel. Man möge mir verzeihen Aber es hat trotzdem gut geschmeckt.
Nach Mitternacht sind wir endlich zum Schlafen gekommen, denn abgesehen vom Reisebericht schreiben gibt es auch sonst noch einiges zu tun, z.B., wie jeden Tag, die Fotos auf den Image-Tank sowie auf den Laptop speichern, die Akkus laden, und-und-und.
Tages-Km: 469, alles unsealed
Gesamt-Km: 183.012 |
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